Das Multimediaprojekt Steamtown – Blogtour Tag 3

Vom Online-Projekt über das Hörbuch und die Bühne zum Roman

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„So wie bei Tag Dampf und Qualm als Zeichen der unermüdlichen Produktivität den Himmel verdunkeln, erstrahlt Steamtown des Nachts im grünen und bläulichen Widerschein der Plasmalaternen. Indes bildet Die Fabrik im Zentrum der Stadt das einzig gültige Verbindungsstück zwischen den Bevölkerungsgruppen, seien es ehrbare Bürger, Gildenvertreter, Angehörige der Unterschicht, kriminelle Subjekte oder …Schlimmeres. Das Plasma ist Lebensader und pulsierende Verderbnis zugleich.“

Ein interaktiver Online-Roman – was ist das?

Viele Autoren publizieren ihr Werk, oder Teile daraus, auf ihrer eigenen Homepage, einfach weil sie keinen Verlag dafür gefunden haben, oder erst einmal testen wollen, ob die Story bei den Lesern ankommt. Ein populäres Beispiel dafür, wie so ein Online-Roman (auch Webnovel genannt) sich zum Publikumserfolg mausern und schließlich doch auf internationaler Ebene von namhaften Verlagen publiziert werden kann, ist der „Der Marsianer“ von Andy Weir. Der Softwareentwickler und Hobby-Schreiber hat die ersten Kapitel seines Romans auf seiner Homepage veröffentlicht und auf vielfachen Wunsch seiner Fans ein E-Book erstellt, das Amazon für 99 Cent anbot. Dieses verkaufte sich über 35000 Mal, was der US Random House Gruppe nicht verborgen blieb. Das Label Crown verlegte die Print-Version des Buchs „The Martian“ 2014 und der Heyne-Verlag folgte mit der deutschen Ausgabe im gleichen Jahr. Inzwischen hatte der Regisseur Ridley Scott das Potential der Story für das Kino entdeckt und 2015 erschien der Kinofilm „Der Marsianer“ mit Matt Damon in der Hauptrolle des Protagonisten Mark Whatney.

Ähnlich kreativ waren die Autoren Tom und Stephan Orgel und Carsten Steenbergen, 2009 haben sie „Steamtown“ als interaktiven Online-Roman auf einer dafür eingerichteten Webseite vorgestellt. Die Idee entstand (so erfahren wir in der Danksagung des Romans „Steamtown-Die Fabrik“) in einer S-Bahn in Leipzig zur Buchmessezeit:

„Lass uns mal was zusammen machen, aber bloß nichts mit Elfen.“ [Steamtown-Die Fabrik, Position 5788]

So wurde eine retrofuturistische Geschichte mit Fantasy-Elementen ersonnen, die man damals dem Genre der „Gaslight-Fantasy“ zugeordnet hat. Unter Steampunk verstand man seinerzeit puristische Stoffe wie „Die Differenzmaschine“ von William Gibson, die sich auf Dampfmaschinentechnik fokussierten. In den folgenden Jahren erweiterte sich allerdings die Bedeutung des Begriffs, heute zählt man auch Steampunk-Geschichten mit Fantasy-Elementen dazu.

Neun Monate lang knieten sich Carsten, Tom und Stephan Nacht für Nacht in die Gestaltung eines Krimi-Plots, angesiedelt in einer retrofuturistischen Stadt, deren Infrastruktur vom sogenannten Plasma angetrieben wird. Eine bizarre Mordserie sucht Steamtown heim. Ein unerfahrener Agent des Ministeriums, ein trinkfester Pater und ein seltsam blasser Typ werden auf die Ermittlungen angesetzt. Wie nun die Hintergründe der Verbrechen aufdeckt werden, ob sich weitere Morde ereignen und welche Kreaturen und Übeltäter den Detektiven in die Quere kommen, sollte gemeinsam mit der Community erarbeitet werden.

Der interaktive Teil des Projekts bestand darin, dass die Leser die Geschichte durch Anmerkungen und Ideen in den Kommentaren mitgestalten konnten. Dazu kamen Gastbeiträge und weiterer Input von zahlreichen deutschen Phantastik-Autoren, unter anderem Bernhard Hennen und Andrea Bottlinger. Interaktivität und Improvisation war gefragt. Ziel und Hintergrund des Plots wurden von den Autoren vorgegeben, doch die Handlung sollte sich durch das Zusammenspiel der Autoren mit den Lesern entwickeln, ähnlich wie in einem Foren-Rollenspiel. Dreimal in der Woche, immer montags, mittwochs und freitags um 0 Uhr, wurden Updates des Fortsetzungsromans „Steamtown“ hochgeladen. Neben neuen Kapiteln gehörten Beiträge zu den Charakteren und eine umfassende „Steamtown“ Enzyklopädie dazu.

Diese Webseite gibt es heute leider nicht mehr. Doch das Projekt „Steamtown“ wurde mit anderen Medienformaten weiterentwickelt.

Steamtown – ein Hörbuch entsteht

Carsten Steenbergen ist ein alter Hase im Hörbuchgeschäft und hat Drehbücher zu verschiedenen Hörbüchern und – spielen geschrieben (zum Beispiel „Die Schatzinsel“, „Das Tor des Wächters“ „Der Pilwiz“). Entsprechend besucht der Autor Messen und Veranstaltungen rund um das Thema Hörbuch. Bei einer solchen Gelegenheit lernte Carsten Steenbergen den Schauspieler und Sprecher Detlev Tams kennen und fragte ihn, ob er Lust hätte, eine komplette Lesung zu „Steamtown“ zu sprechen. Hatte er. Und wer einmal Detlev Tams als mutierte Ratte erlebt hat, weiß mit wie viel Engagement er sich dem Projekt widmete (siehe unten: Video „Steamtown live 2.0“ 🙂 ). Den passenden Titelsong komponierte die Rollenspielband „Erdenstern“ und so war die künstlerische Arbeit am „Steamtown“ Hörbuch recht schnell fertig gestellt. Problematischer gestaltete sich eine Vermarktung ohne Amazon und Audible, sowie die Generierung einer ISBN Nummer. Inzwischen sind bei dem Label Planet Voice zwei Teile des Hörbuchs „Steamtown – Die Fabrik“ erschienen, zuerst 2014 „Der Tote von Bakers Hall“, ein Jahr später „Wächter im Dunkeln“. Ein dritter Teil ist in Vorbereitung. Außerdem ist ein „Steamtown“-Hörspiel mit 2 CDs geplant, zu dem Carsten Steenbergen gerade das Drehbuch schreibt und das voraussichtlich 2017 beim Label Ohrenkneifer erscheinen soll.

Auf die Bühne – Steamtown live

Per Zufall entstand die Inszenierung von „Steamtown“ als eine Art Stand-up Comedy. Carsten hatte einen Lesungstermin in Kiel und wollte eine zusätzliche Lesung im Norden organisieren, damit sich die weite Anreise vom Niederrhein auch lohnte. Wieder sprach er Detlev Tams an, ob man nicht in seiner Heimatstadt Hamburg einen Steamtown-Leseabend auf die Beine stellen sollte. In zweieinhalb Wochen wurde ein Veranstalter aufgetrieben und die Rollen der Protagonisten Pater Grand und Mr. Ferret zwischen Carsten und Detlev verteilt Das erstellte Skript haben die beiden allerdings fünf Minuten vor der Veranstaltung noch einmal umgeworfen und so ging das Event vollständig ungeprobt und improvisiert über die Bühne. Für Carsten und eine Rampensau wie Detlev war es gerade deswegen ein riesiger Spaß und kam auch beim Publikum gut an. So wurden weitere Gigs organisiert, die das Steamtown-Duo nach Köln, Leipzig, Berlin und Wien führte. Das Bühnenprogramm wurde inzwischen überarbeitet, doch die Improvisation blieb erhalten und so hat bis heute keine einzige Probe stattgefunden. Zudem animieren Detlev und Carsten das Publikum dazu, mit „Tumult“ und „Protest“-Rufen für die passende Geräuschkulisse zu sorgen, was sicherlich zum Charme der Nummer beiträgt.

Last but not least – der Roman

Das „Steamtown-Die Fabrik“ als Roman veröffentlicht wurde, war wieder der intensiven Kontaktpflege der drei Autoren zu verdanken. Tom und Stephan fragten bei ihrem derzeitigen ‚Hausverlag‘ Heyne an, der lehnte jedoch ab. Man erwog eine Selfpublishing Veröffentlichung oder alternativ bei einem kleineren Verlag. Schließlich traf Carsten Steenbergen den Gründer des Papierverzierer Verlags Schemajah Schuppmann, der sofort Feuer und Flamme für eine Buchveröffentlichung von „Steamtown“ war. T. S. Orgel und Carsten Steenbergen überarbeiteten das Manuskript und formten daraus einen Roman mit Prolog, sieben Kapiteln und einem Epilog. Das Lektorat ging durch vier Hände, die der drei Autoren und des Verlegers, was die Arbeit nicht unbedingt erleichtert hat. Das perfekt passende Cover mit dem Mann mit Bowler und dem grün fluoreszierenden Plasma, das auch die Hörbücher schmückt, hat Tom Orgel erstellt, der als Grafik-Designer sein Brot verdient.

Das Storykonzept von „Steamtown-Die Fabrik“ hat durchaus Serienformat. Ob es noch mehr Abenteuer aus Steamtown geben wird, ist zwar bisher nicht absehbar, doch wer weiß? Romanserien leben von starken Charakteren und einem Schauplatz, der das Ambiente für außergewöhnliche und heikle Konflikte mitbringt. Beides bietet „Steamtown“ zur Genüge und daher möchte ich zum Schluss dieses Artikels eine Idee von Mr. Ferret aufgreifen:

„Wenn Sie keinen besseren Vorschlag haben [..], dann würde ich diese Richtung empfehlen.“ [Steamtown-Die Fabrik, Position 832]

Nichts verpassen!

Mehr über „Steamtown-Die Fabrik“ erfährst Du in den Blogtourartikeln der Kollegen, die ich alle auf der Ankündigungsseite für diese Blogtour verlinkt habe.

Du möchtest am Gewinnspiel zur Blogtour teilnehmen?

Dann beantworte im Kommentarfeld dieses Beitrags bitte möglichst kreativ und mit maximal 100 Worten folgende Frage:

Was würdest Du tun, wenn Du eines morgens aufwachen und feststellen würdest, dass Du Dich in Steamtown befindest?

Der Verfasser/die Verfasserin der ideenreichsten Antwort nimmt an der Auslosung zum Gewinnspiel teil.
VIEL GLÜCK! 🙂

Das Kleingedruckte

  • Dieses Gewinnspiel wird vom Papierverzierer Verlag organisiert und steht in keiner Verbindung mit Facebook und wird auch nicht von Facebook unterstützt.
  • Mit der Teilnahme am Gewinnspiel wird automatisch bestätigt, dass man das 18. Lebensjahr erreicht hat und voll geschäftsfähig ist.
  • Teilnehmer unter 18 Jahren müssen eine Erlaubnis haben und auf Nachfrage eine Einverständniserklärung der Erziehungs/-Sorgeberechtigten vorlegen.
  • Jede teilnahmeberechtigte Person darf einmal pro Tag an dem Gewinnspiel teilnehmen. Mehrfachbewerbungen durch verschiedene Vornamen, Nachnamen, Emailadressen oder einem Pseudonym sind unzulässig und werden bei der Auslosung ausgeschlossen.
  • Im Gewinnfall erklärt sich der Gewinner bereit, seine Daten dem Papierverzierer Verlag für den Versand des Gewinns, zur Verfügung zu stellen.
  • Daten, die im Gewinnfall weitergegeben wurden, werden nicht für weitere Zwecke entfremdet. 4 Wochen nach Gewinnversand, werden die Daten gelöscht.
  • Die Gewinner werden in der Regel mit dem Namen ihrer Teilnahme öffentlich genannt und bei den teilnehmenden Bloggern in der Gewinnerbekanntgabe veröffentlicht.
  • Sollte der Gewinner sich im Gewinnfall nach Bekanntgabe innerhalb von 7 Tagen nicht bei den teilnehmenden Bloggern oder dem Papierverzierer Verlag melden, rückt ein neuer Gewinner nach und hat keinen Anspruch mehr auf seinen Gewinn.
  • Der Gewinnversand erfolgt ausschließlich nach Deutschland-Österreich-Schweiz
  • Für den Postweg wird keine Haftung übernommen.
  • Eine Barauszahlung der Gewinne ist nicht möglich.
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
  • Das Gewinnspiel endet am 6.11.16, 23.59h.
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13 Gedanken zu “Das Multimediaprojekt Steamtown – Blogtour Tag 3

  1. Guten Morgen!

    das hört sich ja toll an, wie dieses Projekt entstanden ist. Ich muss gestehen dass ich vorher noch nie von sowas gehört habe! Auch dass der Marsianer so unter die Leute kam, wusste ich vorher nicht! Aber das ist natürlich eine schöne Möglichkeit zu sehen, ob die Geschichten beim Leser gut ankommen!

    Die Frage … puh, das ist gar nicht so leicht. Ich überlege grade, was ich machen würde, wenn ich aus dem Fenster sehe und ein altes, düsteres London vor Augen hätte. Da ich ein Fan von London bin und auch von historischen Romanen wäre ich wohl im ersten Moment total begeistert xD
    Ich denke, ich müsste mir erstmal einen Überblick verschaffen, würde durch die Stadt gehen und schauen, wo ich Verbündete finden kann oder sogar Freunde, die mir weiterhelfen. Die Technik würde mich natürlich total interessieren, da würde ich die Menschen sehr viel mit Fragen löchern – aber erstmal wäre ich wahrscheinlich nur mit staunenden Augen unterwegs durch die Straßen O.O

    Wahrscheinlich würde ich mich auch nach einer Waffe umsehen, denn die Viertel, die gestern beschrieben wurden, hören sich nicht gerade so an, als ob es ein einfaches Leben wäre. Am besten erstmal in einer Kneipe untertauchen, am Hafen, da erfährt man ja meist vieles, was anderen verborgen bleibt 😉

    Liebste Grüße, Aleshanee

    • Hallo Aleshanee, mich hat die Entstehugsgeschichte von „Steamtown“ auch fasziniert. Am Beispiel des „Marsianers“ sieht man, dass so ein Werdegang häufiger vorkommt, als man denkt ;-). DANKE Dir für Deinen Kommentar! Liebe Grüße, Eva

  2. Hallo und guten Tag,

    hm, erst einmal ziemlich doof aus der Wäsche schauen oder?
    Hihi….klar wäre ich erst einmal überrascht würde mich aber schnell fangen und da ich ein durchaus, neugieriger Mensch bin versuchen meine, neuen Lebensraum/Welt zu erkunden.

    Ausschau halt nach anderen Menschen…Bewohner dieser Welt ..Gebäuden.

    Einfach mir auch versuchen einen Überblick zu verschaffen, wie ich in Steamtown leben kann. Denn ich brauche Essen, Trinken und ein Dach über den Kopf.

    LG..Karin

  3. Hallo und vielen Dank für diesen Blogtour-Tag! Wenn ich eines Tages in Steamtown aufwachen würde, würde ich mich wahrscheinlich fragen, wer mich à la Tintenherz in das Buch geschrieben hat.

    Viele liebe Grüße
    Katja

    • Liebe Katja, das ist ja mal ein ganz anderer Ansatz, sich darüber Gedanken zu machen, ob man nicht in einem Buch gelandet ist. Coole Idee. 🙂 Ich danke Dir für Deinen Kommentar. Liebe Grüße, Eva

    • Hallo Katja, ich habe DICH aufgrund Deiner kreativen Antwort, die sich halt von den anderen Ideen schön abhebt, zur Phantastisch-lesen Teilnehmerin bei der Verlosung auserkoren. Ich werde also Deinen Namen und Deine E-mmail Adresse an Jasmin vom Blog Bücherleser weitergeben, die dann alle Gewinner der an der Blogtour teilnehmenden Blogs in einen Lostopf wirft und die endgültigen Gewinner der „Steamtown“ Bücher zieht. Ich drücke Dir ganz fest die Daumen :-). Liebe Grüße, Eva

  4. Ein wunderbarer Beitrag! Bin heute erst zum kommentieren gekommen und werde gleich meine Teil der Tour hochlade, wollt aber grad mal mein Lob da lassen 🙂
    Schön übersichtlich zu jedem Punkt etwas interessant erzählt, da lernt man selbst als Beteiligter er Tour noch was dazu 😀

    • DANKE Dir! Ich bekam wertvolle Unterstützung von Carsten, Stephan und Tom und so hat es echt Spaß gemacht, die „Historie“ des Steamtown-Projekts zusammenzustellen. Ich bin schon sehr gespannt auf Deinen Beitrag. Liebe Grüße Eva

  5. Hallo,

    danke für den Beitrag! Ich wäre zunächst mal sehr überrascht und vielleicht auch ein bisschen verängstigt… ich würde dann aber auf jeden Fall die Stadt erkunden 🙂

    LG

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