Trix Solier-Zauberlehrling voller Fehl und Adel – Sergej Lukianenko

Ein Zauberlehrling wie kein anderer

Trix Solier © Beltz&Gelberg
Trix Solier © Beltz&Gelberg

Zauberlehrlinge gab es schon viele in der Literatur, von dem in Goethes Ballade bis hin zu dem berühmten Hogwarts-Schüler. Welchem Autor soll da noch etwas wirklich Originelles einfallen? Dem Vielschreiber und Phantasten Sergej Lukianenko!

Vom adeligen Flüchtling zum Zaubererschüler

Im Co-Herzogtum putscht Co-Herzog Gris gegen den Mitamtsinhaber. Der Co-Herzog Solier wird ermordet, die Co-Herzogin darf den ihr gebührenden Freitod vollziehen. Doch der Solier-Thronerbe Trix wird frei gelassen. Angeblich will der nun allein herrschende Herzog Gris seinem verweichlichten Sohn und Erben einen würdigen Gegner übrig lassen. Das ist kein sehr wirksamer Trost für Trix. Auf der Flucht gewinnt er den Waisenjungen Ian als Gefährten und schlägt sich zum Fürstentum Dillon durch.

Wie kann Trix nun seinen Racheschwur einlösen? Es bleibt ihm nur der harte Weg, sich vom Knappen zum Ritter hochzuarbeiten. Ritter Sir Paclus, zu einem Viertel Zwerg, hat eine passende Stelle frei und zieht mit Trix gleich gegen den Zauberer Sauerampfer ins Gefecht. Trix unterstützt seinen Herrn im Kampf gegen des Zauberers Turmwächter, einen Minotaurus. Doch wer hätte gedacht, dass Trixs frechen Sprüchen eine magische Kraft inne wohnt? Sir Paclus nicht und erst recht nicht der große Zauberer Sauerampfer, der nun einen Schüler bekommt. Einen Zauberlehrling, der bald des Meisters Heim mit Freunden bevölkert – und Gefahren. Trix will die junge Fürstin Tiana vor einer arrangierten Ehe mit dem steinalten Vitamanten Evykait bewahren. Sauerampfer hingegen fragt sich, was den Regenten dazu veranlasst, einen Pakt mit lebenden Toten einzugehen. Ein rasantes Abenteuer beginnt, mit Schlachten auf hoher See und geheimen Intrigen, die allen Mut und das magisches Geschick des Zauberlehrlings herausfordern.

Klingt bekannt und ist doch in allem irgendwie anders

Zugegeben, ein Titel wie „Trix Solier – Zauberlehrling voller Fehl und Adel“ klingt wie ein Kinder-und Jugendbuch und das ist es auch. Aber eines, das allen Fantasy-Fans Spaß macht. Eine weitere Erkenntnis ist, dass der Russe in seinem neuesten Werk das Rad des Genres nicht neu erfunden hat. Die Figuren kennt man bereits: ein Zauberlehrling, ein Ritter, ein Meister, Monster, Mädels und Untote. Auch die Motive erscheinen vertraut: Umsturz im Fürstentum, eine blutjunge Adelige, die um der politischen Intrige willen an einen alten Sack verhökert werden soll und eine abenteuerliche Quest. Doch wer Lukianenko kennt, weiß das sein Fantasywerk ein wenig anders daher kommen wird als die Klassiker.

Gelungen, aber nicht neu ist, dass die Geschichte rundweg fesselnd und spannend ist. Auch wenn die Atmosphäre nicht ganz so düster gezeichnet wurde wie in einem Roman für Erwachsene, mit den Meuchelmördern und untoten Gegnern ist nicht zu spaßen. Man fiebert stets mit Trix mit, obwohl man weiß, das es schon gut gehen wird. Nicht neu ist auch, das man immer wieder lachen und schmunzeln muss. Humoristische Fantasy ist spätestens seit Terry Pratchett in der Szene etabliert. Auch dort finden sich Anlehnungen an eine andere phantastische oder die reale Welt. Doch Lukianenko steht dem Briten hinsichtlich komischer Ideen in Nichts nach. Ein Beispiel gefällig?

„Ich wollte dich gerade warnen, dass du dir einen schönen Namen dafür ausdenken sollst. Aber jetzt ist es zu spät. Das In-einer-Hand-Buch hat sich schon gemerkt, was Du gesagt hast.“
„Was heißt das?“
„Du musst genau diese Worte wiederholen, um das Buch zu öffnen.“
„Ei pottstausend, da steckt ja noch die Nadel drin?!“ fragte Trix. „Aber das ist doch dumm! Da werden mich alle auslachen!“
„Vielleicht gibt sich das Buch mit den ersten Buchstaben zufrieden“ munterte Sauerampfer ihn auf.
„E!“, versuchte es Trix und strich über den Einband. Nichts passierte. „Ei!“ Nichts. „Ei po!“ Trix war kurz davor aufzugeben. „Ei pott!“ Das Buch öffnete sich.

Und was ist nun an „Trix Solier“ anders? Die Mischung zwischen Abenteuer, Märchen und Humor macht es. Nichts davon wirkt gekünstelt oder vordergründig. Nur manchmal verzettelt sich der Autor in kleine Geschichten und Erklärungen, die dann einen Tick zu weit von der Handlung ablenken. Was aber in der Form neuartig und besonders gelungen ist, sind die von leichter Hand gezeichneten Charaktere und ihre Einbindung in ihre Welt und die Geschichte. Lukianenkos Fantasy-Schauplatz ist der eines klassischen Feudalsystems, doch in welchem zuvor haben Co-Herzöge regiert? Trix ist der Thronerbe und bekleidet einen adeligen Rang. Doch Ian stellt sich ihm als er selbst und in seiner Kleidung vor, die Gris dem Waisenhaus überlassen hat. Immer wieder wird Ian in Trixs Rolle schlüpfen, um den jungen Herzog zu retten, während der Sauerampfers Küche schrubbt und seinen Meister bedient. Ritter sind auch hier mutige Schlachtenkämpfer. Doch wer hätte sie je in der Schenke in Unterhosen in Szene gesetzt, damit sie sich nicht bei jedem Gang zum Abort der stählernen Beinkleidung entledigen müssen? Und die Magie erinnert weniger an eine übernatürliche Kraft, als an die Kunst der Suggestion. Man muss nur sein Publikum von etwas nicht ganz Unmöglichem überzeugen können. Dann wird es Realität.

Es sind diese vielen Kleinigkeiten, die Lukianenkos „Trix Solier – Zauberlehrling voller Fehl und Adel“ so besonders machen. Der Autor scheint sich und sein Werk hier nicht so ernst zu nehmen.  „Trix Solier“ ist einerseits eine Parodie mit viel Liebe und Respekt zum Genre geschrieben, vor allem aber eine originelle, eben etwas andere Fantasygeschichte.

Diese Rezension von mir, Eva Bergschneider, erschien bereits auf www.phantastik-couch.de

Trix Solier-Zauberlehrling voller Fehl und Adel
Sergej Lukianenko
Fantasy
Beltz&Gelberg
2010
584

Funtastikfaktor: 81%

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