Feuerstimmen – Christoph Hardebusch

Gesang der den Urmächten trotzt

Feuerstimmen © Piper
Feuerstimmen © Piper

Die Barden Aidan und Revus verdienen sich mit Gesang und Geschichten ihren Lebensunterhalt, ein paar Münzen, ein Essen, einige Ale und eine Übernachtung erhalten sie für abendliche Unterhaltung. In einem Fischerdorf an der Südküste des Kontinents endet dieses unbeschwerte Leben. Die Küste wird in der Nacht von Monstern angegriffen. Seeteufel saugen ihren Opfern das Blut aus und hinterlassen kreisrunde Wunden. Aidan, Revus und den Dorfbewohnern gelingt es zunächst, die Angreifer ins Meer zurückzuwerfen. Doch für wie lange?

Elena ist Königin auf Arcos, einer von acht Gesegneten Inseln, die auf festen Bahnen im Ewigen Meer treiben. Sie liegen versteckt und sind kleine Paradise voller Magie, seine Bewohner kultiviert und wohlhabend. Scheinbar hat sich jedoch ihre geografische Lage verändert. Der ewige Friede gerät in Gefahr, als Grenzsoldaten aus Arcos drei Wächter der Nachbarinsel Skaros töten. Während Elena den Frieden um jeden Preis wahren will, hat ihr Marschall Blut geleckt und will einhundert Soldaten an die Grenze zu schicken. Chaos breitet sich aus. Die Tag- und Nachtgleiche spielt verrückt und die sonst so friedvollen Menschen gehen aufeinander los. Elena sucht Rat bei dem Arkanisten Astos, der durch die Hand seines Sohnes im Sterben liegt. Mit letzter Kraft offenbart er seiner Königin, dass die Gefahr von außen kommt und möglicherweise ein Orakel ihre Ursache kennt. Mit ihrer Leibgardistin Kaleona steigt Elena in ein Boot und steuert das Festland an.

Das Fischerdorf wird erneut angegriffen, als Elena und Kaleona gerade dort anlanden. Das Dorf ist nicht mehr sicher. Die Gruppe begleitet die Fischer nach Gorint, einer kleinen Stadt, die den freien Baronien angehört. Elena und Kaleona hoffen dort Hinweise auf das Orakel zu finden. Als sich die vier Gefährten schließlich einander anvertrauen, wird klar, dass sie dieses Unheil gemeinsam aufhalten müssen.

Eine Story wie eine Rock-Oper

Musik und Gesang spielen eine zentrale Rolle in dem Roman „Feuerstimmen“ von Christoph Hardebusch. Nach Auskunft des Autors (siehe Interview mit Christoph Hardebusch im PHANTAST #15, Drachen) entstand die Geschichte in Zusammenarbeit mit der A capella Metal-Band „Van Canto“,  die nicht nur das Konzeptalbum „Voices of Fire“ komponiert, sondern gemeinsam mit dem Autor Ideen für die Geschichte ersonnen hat.

Erzählt wird sie abwechselnd aus der Sicht Aidans und Elenas aus einer personalen Perspektive. Der Leser übernimmt also ihre eingeschränkte Sichtweise des Geschehens, was für Abwechslung sorgt. Meistens enden die Kapitel mit einem Cliffhänger. Die Sprache ist einerseits betont umgangssprachlich gehalten, je nach Szene humorvoll oder ein wenig derb. Andererseits verwendet der Autor viele mittelalterlich anmutende Begriffe wie „Aye“ und  „Maiden“, sowie Maßeinheiten und Zeitbegriffe aus der Vergangenheit. Der Erzählstil wirkt dadurch ein wenig gezwungen, denn nicht immer passen moderne und altertümliche Sprache zueinander.

Es gilt zwei Geheimnisse aufzudecken. Zuerst geht es um die Frage nach der Ursache für das Unheil, das die Gesegneten Inseln heimsucht. Der Prolog skizziert kurz den Ursprung dieser Welt und deutet des Rätsels Lösung an. Die besondere Rolle, die dem Barden Aidan in der Bekämpfung der Katastrophe zukommt, bleibt länger im Verborgenen. Doch auch hier wird zu früh klar, worauf die Antwort hinauslaufen wird. Zwar sorgen kleinere, unerwartete Wendungen für Dramatik, doch das große Überraschungsmoment bleibt aus.

Ungewöhnlicher Weltenbau

Eine Karte im Innencover des Romans, gestaltet vom Illustrator Timo Kümmel, veranschaulicht die Welt in „Feuerstimmen“. Ein großer Teil besteht aus einem Kontinent, der in verschiedene Regionen unterteilt ist. Den Weg, den Aidan, Revus, Elena und Kaleona zurücklegen, kann man zwar auch im Text gut nachverfolgen, aber erst die Karte klärt die Distanzen zwischen den verschiedenen Orten.

Karte Feuerstimmen © Timo Kümmel
Karte Feuerstimmen © Timo Kümmel

Die Position der Gesegneten Inseln verwundert, denn sie liegen nur wenig abseits im südöstlichen Teil des ewigen Meers. Ungewöhnlich ist auch, dass sie nicht fest an einem Ort verankert sind, sondern sich auf  konstanten Bahnen durch das Meer bewegen. Dieser Trick hat jedoch seinen tieferen Sinn, denn er erklärt ihre Isolation und die Tatsache, dass sie vom Festland nur mit besonderen Kenntnissen angesteuert werden können. Sie sind mystische Orte und voller magischer Kräfte, eine facettenreiche Welt mit Geheimnissen.

Gradlinige Charaktere

Die beiden weiblichen Protagonisten Elena und Kaleona sind starke Persönlichkeiten. Elena wurde dazu erzogen sich Respekt zu verschaffen, tritt selbstbewusst auf und weiß in jeder Situation, was zu tun ist. Gelegentlich fällt es ihr dennoch schwer ihre Emotionen im Zaum zu halten, wenn sie mit den männlichen Beratern am Hof debattiert. Die Leibgardistin Kaleona stellt sich stets mutig vor ihre Königin und jeder Gefahr entgegen. Beide Frauen sind Sympathieträgerinnen und verbleiben überwiegend in den ihnen angedachten Rollen.

Etwas differenzierter werden die beiden Herren der Viererrunde dargestellt, die Barden Aidan und Revus. Wie sie stellt man sich typische Rockmusiker vor; unabhängig, gut gelaunt und allseits beliebt Den beiden Jungs steht man gern bei und amüsiert sich über ihre frotzeligen Dialoge. Auf den ersten Blick wirken die beiden Freunde charakterlich sehr ähnlich. Doch über Aidan schwebt ein Schatten der Schwermut, der ihn zeitweise unnahbar wirken lässt. Beide Barden kämpfen wie ausgebildete Soldaten, doch Aidan zögert zunächst, den Dorfbewohnern nach dem ersten Angriff weiter beizustehen. Als sich seine besondere Rolle abzeichnet, reagiert der sonst so mutige Mann mit nackter Angst. Aidans emotionalere Seite kommt zwar beim Leser an, doch man hätte sich etwas mehr Entwicklung und Tiefgang gewünscht.
Ein echter Überraschungsmoment ist allerdings einer Nebenfigur vorbehalten, Sash, dem Seeteufel. Leider bleibt es bei einem kurzen Auftritt dieser ungewöhnlichen Figur, sein Part hätte ruhig etwas bedeutender sein dürfen.

Fazit

Christoph Hardebusch und Van Canto haben sich für „Feuerstimmen“ eine originelle Geschichte und ein dramatisches Szenario einfallen lassen Das Geschehen ist spannend erzählt, besonders die Schauplätze und Kampfszenen hat der Autor detailliert beschrieben. Humor und Love-Interest kommen nicht zu kurz, sodass sich düstere und heitere Szenen ergänzen.
Zwar ist der Plot insgesamt eher einfach gehalten und der Leser weiß recht schnell, wie der Hase läuft. Das Abenteuer lebt allerdings von einer ungewöhnlichen Grundidee, die zugleich eine Hommage an die Musik ist. Der Roman vermittelt das Flair mittelalterlichen Bardentums und schlägt mit dem Soundtrack eine Brücke zur modernen Rockmusik. Als A-capella Metal-Band kommt Van Canto mit minimaler instrumenteller Verstärkung aus und so passt ihre Musik perfekt in dieses Setting. Die martialisch düsteren Verse zwischen den Kapiteln runden die Atmosphäre stilecht ab und lassen bereits den epischen Sound erahnen, der den Metal-Fan auf dem Album „Voices of Fire“ erwartet.

Diese Rezension erschien auch im Magazin PHANTAST, Ausgabe #15 „Drachen“

Zu diesem Roman hat im März 2016 auch eine Blogtour stattgefunden, bei der auch phantastisch-lesen.com mitgemacht hat und den Artikel „Wofür stehen Drachen in der Fantasy-Literatur“ veröffentlicht hat. Auf der Ankündigung der Blogtour findet ihr die Beiträge der anderen Blogs verlinkt.

Feuerstimmen
Christoph Hardebusch
Fantasy
Piper
März 2016
496

Funtastik-Faktor: 68%

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