Götterkind 1 – T.S. Elin

Nordische Mythologie trifft tolkineske Fantasy

Edda reloaded-Götterkind 1 © T.S. Elin
Götterkind 1 © T.S. Elin

Die sechs Söhne Odins, die der wandelbare Gott in Gestalt einer Wölfin von seinem Feind dem Fenriswolf empfangen hat, schickt der Allvater regelmäßig auf Patrouillengang an die Grenze zu Jötunheim. Gerade sind sie von der Jagd auf Trolle zurückgekehrt, da befiehlt Odin seinem ältesten Halbwolfsohn eine Vanin zu heiraten, die jüngst in Midgard gefunden wurde. Eine Vanin ist die Letzte die Arawn ehelichen möchte, kann er doch seine Stiefmutter Freija, die diesem Göttergeschlecht angehört, kaum ertragen. Doch es hilft nichts, Odins Wille ist Gesetz in Asgard. Als Adeliger Phillip de Tosny kommt Arawn nach Midgard in das mittelalterliche England, als Thegn auf das Anwesen Mounsfeld. Dort erlebt Arawn eine Überraschung.

Über Liebe und Widerstand

Zwietracht trennt die sonst so einigen Geschwister von Midir, die Fürsten von Anderwelt im verborgenen Reich der Dunkelalben. Tuada mag sich und sein Volk nicht länger in der Welt unter der Erde verstecken, seine Schwester Tuala hingegen befürchtet den Untergang ihres Volks, wenn sie sich der Vereinbarung mit den Göttern widersetzen. Um die Unterwerfung aufzukündigen, erteilt Fürst Tuada den Jötunn den Befehl, dass sie fortan keine Vanen mehr töten dürfen. Ein pure Provokation, die wahrscheinlich zu Krieg führen wird. Und die den Blutsbruder Odins, Loki, auf den Plan ruft um zu ergründen, was der Aufrührer der Dunkelalben beabsichtigt.

Die Edda – ein zentrales Thema in der Fantasy?

Die Edda besteht aus zwei in altisländisch verfassten literarischen Werken mit skandinavischen Götter- und Heldensagen. Man unterscheidet die Prosa-Edda (Snorra-Edda), eine Art Handbuch für Dichter, und die Lieder-Edda, eine komplette Sammlung mit Liedern und wenigen Prosa-Texten. Aus der Edda (altisländisch für Großmutter) stammt alles wesentliche, was heute der nordischen Mythologie zugeordnet wird. Insgesamt beschreibt sie neun Welten. Darunter Asgard, den Sitz der Götter, Midgard, die Zwischenwelt und Welt der Menschen, Niflheim (Dunkelwelt)  und Utgard, die Außenwelt, auch das Land der Trolle. Jötunheim, das Land der Eisriesen gehört zu Utgard. Zu den Göttergeschlechtern zählen die Jötunn, ein unsterbliches Göttergeschlecht, die Vanen (ebenfalls unsterblich) und die Asen. Sie sind das jüngste Göttergeschlecht und nur durch den Genuss der Äpfel der Idun unsterblich. Odin, der Allvater ist Ase,  sowie auch Thor, der Donnergott und Sohn Odins und Loki, der Blutsbruder Odins. Für diese Welten und ihre Bewohner hat die Autorin T.S. Elin eine weitreichende Geschichte ersonnen, die in ihrer Erzählart an tolkineske Fantasy erinnert, jedoch nie den unmittelbaren Bezug zur nordischen Mythologie verliert. Geplant sind vier Bücher mit dem Titel „Götterkind 1-4“, die 2017 erscheinen sollen. In den folgenden Jahren sind jeweils drei bis vier Bände geplant, solange bis die Geschichte zu Ende erzählt ist.

Motive aus der Edda werden immer wieder in Büchern von Fantasy-Autoren thematisiert, jedoch nicht so häufig, wie man erwarten könnte. Tommy Krappweis hat in seiner „Mara“-Reihe die Sagen um die Götterdämmerung in ein Urban-Fantasy Gewand verpackt. Seine vierzehnjährige Protagonistin Mara wird zu einer Seherin, die den Ragnarök aufhalten muss. Wolfgang Hohlbein hat sich der nordischen Mythologie in einigen seiner Bücher angenommen, zum Beispiel in „Thor“ und in „Midgard“. Eine moderne Fortsetzung der Edda finden wir in „American Gods“ von Neil Gaiman. Hier kämpfen sämtliche alten Götter um ihren Platz in der modernen Welt. T.S. Elin hat sich für ihr Debut als Schriftstellerin ein Thema vorgenommen, welches im Vergleich zu Tolkiens Völkern oder den Motiven der Urban-Fantasy weniger präsent auf dem Buchmarkt ist, dadurch aber auch Chancen für Neues oder fast Vergessenes bietet.

Wie verwandelt T.S. Elin die Edda in moderne Fantasy?

Im Mittelpunkt steht einer der Söhne Odins, der sich um eine Frau aus dem Göttergeschlecht der Vanen bemüht. Um diesen Plot spinnt T.S Elin die Geschichte einer Revolution gegen die Götter. Mit „Götterkind 1“ ist daraus ein recht knapp gehaltener Serienauftakt entstanden, der ein Kapitel der zentralen Geschichte abschließt und andere Handlungsstränge anreißt. T.S Elin führt den Leser in die Welt der nordischen Mythologie ein und erzählt eine zugleich spannende und moderne Fantasy-Geschichte. Ihre Charaktere zeichnet sie lebendig und weitestgehend glaubwürdig. Lediglich den Loki hätte ich mir noch ein wenig zwielichtiger gewünscht und die Halbwölfe gern einmal in Wolfsgestalt kennen gelernt.

Vor allem in den Eingangsszenen schreibt T.S Elin einen etwas sperrigen Stil. Sie überstrapaziert das Stilmittel Anapher, verwendet einen Präsentationsstil mit Aufzählungen, oder setzt Satzteile in Klammern. Diese Stilmittel stören den Lesefluss und wären nicht nötig gewesen. Die Autorin vermag auch ohne derartige Konstrukte anschaulich zu beschreiben und keine ihrer Informationen sind redundant. Abgesehen von diesen wenigen, etwas übertrieben wirkenden Eigenwilligkeiten ist T.S Elins Schreibe jedoch lebendig und variantenreich. Mal poetisch verspielt, mal präzise auf den Punkt. Ihr Stil hat in jedem Fall Wiedererkennungswert und darf hoffentlich auch in etwaigen Verlagspublikationen individuell bleiben.

Insgesamt ist „Edda reloaded“ ein innovatives Romanprojekt und der Auftakt „Götterkind 1“ ein fantasievoller und spritzig geschriebener Roman. Die Autorin verbindet mühelos die nordische Mythologie mit klassischer Fantasy. Ihre Neuinterpretation der Edda zeigt, wie viel erzählerisches und phantastisches Potential in den alten Sagen steckt.

Götterkind 1
Edda reloaded
T.S. Elin
Fantasy
T.S. Elin
April 2017
273

Funtastik-Faktor: 75

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Ein Gedanke zu „Götterkind 1 – T.S. Elin

  1. Liebe Eva,
    ich möchte mich sehr für die schöne Rezension bedanken und was die Klammern angeht … seufz, ich mochte die ja gern, aber offensichtlich sind sie so gar nicht lesefreundlich – ich werde Götterkind 2 also entsprechend durchforsten … aus nostalgischen Gründen muss ich dann ein, zwei Klammern „übersehen“ …

    viele Grüße, T.S. Elin

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