Mara und der Feuerbringer-Das Todesmal – Tommy Krappweis

Ein Ring, sie zu knechten

Das Todesmal  © Egmont Schneiderbuch
Das Todesmal © Egmont Schneiderbuch

Mara und ihr väterlicher Freund Professor Weissinger folgen einer Einladung von Maras Mutter und begleiten diese und ihre Wicca-Freundinnen auf ein Seminar des seltsamen Dr. Thurisaz, um dem Geheimnis des Feuergottes Loge auf die Spur zu kommen. Während des Seminars hat Mara jedoch eine Vision, die sie in die nordische Unterwelt Hel verschlägt. Dort begegnet sie der gleichnamigen Göttin, der Tochter des immer noch gefangenen Gottes Loki. Hel verschont Mara, wenn diese in ihrem Auftrag einen Kristall bei Loki abliefert – eine Aufgabe die Auftakt zu einer rasanten Jagd quer durch Deutschland und die unterschiedlichsten Orte der germanischen Götterwelt ist. Denn Mara muss feststellen, dass ihr Widersacher Loge zurück ist. Er ist stärker denn je und versperrt ihr den Weg zu Loki. Mara aber muss sich beeilen, denn Hel hat sie mit einem Bann, dem Todesmal, belegt. Dieses Mal, ein Ring an ihrem Arm, wird die junge Seherin töten, wenn sie es nicht rechtzeitig schafft, Loki zu erreichen.

Auf Action gestrickt

Tommy Krappweis macht diesmal ein großes Fass auf und alles richtig. Deutlich rasanter als der erste Band steigert sich das zweite Mara-Buch schnell zu einem wahren Höllentripp für Mara und ihren Professor Weissinger. Vom Forsthaus im Mühlthal im äußersten Süden Deutschlands führt die Hatz bis nach Norden ins Osnabrücker Land, inklusive Autounfällen, Gefechten mit fischköpfigen Wachleuten des germanischen Meeresgottes Njördr, Schlachten mit Heerscharen von Skelettsoldaten und der Zerstörung eines berühmten Denkmals. Und das Ganze immer als Rennen gegen die Zeit und Hels Fluch. Und natürlich auf der Flucht vor Loge, der alles daran setzt, Mara aufzuhalten.

Intelligente Unterhaltung mit Tempo, Witz und Mehrwert

Im Vergleich zu dem ein klein wenig unausgewogenen ersten Band ist ‚Das Todesmal’ deutlich runder. Tempo, Spannung, Witz und Wissensvermittlung halten sich durchgehend die Waage und wieder gelingt es Tommy Krappweis, eine große Menge Wissen zu vermitteln.

Dabei wird das Buch jedoch keinen Augenblick langatmig oder belehrend. Die Informationen über die germanischen Götter, nordischen Sagenfiguren, legendären Helden und Monster sind perfekt in die Geschichte eingebaut, ohne ein einziges Mal bemüht zu wirken. Man kann sie als Leser quasi im Vorbeirennen aufsaugen, ohne dass die Informationsflut störend wirkt oder den Lesefluss hemmt. Und »Informationsflut« ist nicht untertrieben: Der Gehalt nicht nur an Sagenmaterial sondern tatsächlichen Fakten aus Geschichte, Archäologie und Sprachforschung ist beachtlich. Ob es historische Schlachten zwischen Römern und Germanen sind oder mittelalterliche Zaubersprüche in Klosterschriften – alles ist liebevoll in Maras Geschichte eingebettet. Und wenn der Professor stellenweise doch ins dozieren verfällt, dann bremst Krappweis (beziehungsweise Mara) ihn humorvoll aus, so dass einige der gehaltvollsten Stellen tatsächlich zu den lustigsten gehören.

Die perfekte Backmischung vom Meister des Brotes

Einer der Gründe für die richtige Mischung ist dabei die gelungene Charakterzeichnung. Die Figuren, allen voran Mara und Professor Weissinger, machen innerhalb der Geschichte eine glaubwürdige Entwicklung durch. Ob es die zarte Annäherung von Weissinger und Maras Mutter ist, das Thema zerbrochene Beziehungen, Freundschaften oder die Themen Leben und Tod, Tommy Krappweis lässt auch die normalen Seiten des Lebens nicht aus, verpackt sie aber so menschlich und unspektakulär, wie sie meist sind. Dadurch nimmt man den Figuren ihre Erlebnisse, Gefühle und Gedanken tatsächlich ab – sie wirken echt und trotz aller Fantasy-Elemente der Geschichte lebensecht. So entwickelt sich die Lehrer-Schüler-Konstellation von Mara und Weissinger im Laufe der Zeit zu einer Art Ziehvater-Tochter-Beziehung an der beide reifen.

Ein zweiter Grund ist (neben der diesmal durchgehend ausgesprochen humorvollen Erzählweise) auch, wie Krappweis seine Weltrettung verpackt. Normalerweise werden Geschichten dieser Art immer bombastischer, bis sie am Schluss bei aller Fantasy doch viel zu unrealistisch wirken. In seinem Buch jedoch bleibt die Erzählung immer ganz dicht an seinen beiden Hauptfiguren – die Rettung der Welt wird beinahe zur Nebensache. Damit wirkt der komplette Roman wesentlich persönlicher und zieht den Leser viel tiefer und gründlicher in die Geschichte hinein. Man sieht nicht einem strahlenden Helden beim besagten Retten der Welt zu – man fiebert mit dem Mädchen von nebenan mit und hat dabei ein »das könnte auch ich sein«-Gefühl, das dem Buch sehr, sehr gut tut.

Schon wieder meckern auf hohem Niveau

Letztlich krankt der Roman lediglich ein wenig am Zweites-Buch-der-Trilogie-Syndrom: Er schickt die gut eingeführten Figuren durch ein Feuerwerk an Action und amüsanten Szenen, wirft jedoch mehr Fragen auf, als er beantwortet – und funktioniert so deutlich weniger als eigenständiges Buch als der erste Band. Auch wenn das Finale des Buches an sich, man merkt, dass es weitergeht – und weitergehen muss. Und ohne den vorherigen Band gelesen zu haben, fehlen natürlich einige wertvolle Informationen. Für einen Direkteinstieg ist der Band damit nur bedingt geeignet. Ein bis drei Lektoratsschnitzer sorgen für geringfügige Abzüge in der B-Note (war Maras Handy nun AN oder AUS? Was nu? Außerdem der Klassiker: Schilder statt Schilde), aber das ist angesichtsdessen, was andere Verlage so liefern, wiederum meckern auf hohem Niveau.

Positiv wiederum muss man die stimmigen Zeichnungen von Adriaan Prent erwähnen. Besonders das Denkmal auf Seite 294 ist wirklich hilfreich und nicht nur schmückendes Beiwerk, auch wenn die etwas gequetschte Platzierung auf eine Einfügung in letzter Minute schließen lässt. Und der Anhang mit ausführlichen Begriffserklärungen und weiteren Literatur- (und sogar Ausflugs-)tipps ist eine wertvolle Ergänzung zu dem des ersten Bandes. Gelungen.

Insgesamt bestätigt der zweite Band der Trilogie, »Das Todesmal«, den guten Eindruck von Tommy Krappweis’ Erstling und macht Lust auf mehr. Mehr von Mara und mehr von Krappweis als Autor.
Eine Fantasytrilogie nicht nur für Jugendliche, an der sich All-Age-Romane dieser Art wohl in Zukunft messen lassen müssen.

Diese Rezension von Tom Orgel erschien bereits auf www.jugendbuch-couch.de. Sie wurde hier mit freundlicher Genehmigung des Autors veröffentlicht.

Mara und der Feuerbringer-Das Todesmal
Mara und der Feuerbringer
Tommy Krappweis
Fantasy
Egmont Schneiderbuch
2010
333

Funtastik-Faktor: 90%

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