Solarian-Tage des Aufbruchs – Thariot

Alle Wege führen zum Mars..

Solarian-Tage des Aufbruchs © Thariot
Solarian-Tage des Aufbruchs © Thariot

Im Jahre 2232 hat sich die Erde in eine Wüste verwandelt. Wenige, privilegierte Menschen leben in Luxus und gut gesichert unter Kuppeln. Der Rest der Menschheit stirbt.
In einem Akt der Verzweiflung versuchen die drei großen Machtblöcke die kürzlich entdeckte neue Erde in dem fünf Lichtjahre entfernten Proxima-Centauri System zu besiedeln. Riesige Raumschiffe werden gebaut um tausende von Siedlern auf einer 10 Jahre währenden Reise in das neu gefundene Paradies  zu schicken.

.. naja, fast

Das oben skizzierte Setting verspricht zunächst viel Spannung und einen weit gefassten Handlungsrahmen. Doch erst einmal treibt der Autor vier zunächst völlig unabhängige Handlungsstränge voran.

Da ist zuerst der Deserteur Scott MacSweetbody, der nahe der Venus kaum noch lebend von Lydia aufgegabelt wird. Zusammen mit ihr erhält er den Auftrag, eine mit einer KI (Künstlichen Intelligenz) ausgestatteten Kiste zum Mars zu befördern.

Danach lernen wir Tara kennen, eine junge Frau, die gerade ihren Militärabschluss in West Point gemacht hat. Vor Ihrem ersten Einsatz besucht sie noch die Familie im Ghetto vor der Kuppel in Johannisburg. Nachdem sie dort eine Katastrophe ausgelöst hat, wird Sie zu ihrer Überraschung nicht bestraft, sondern ebenfalls mit einem Geheimauftrag zum Mars versetzt.

Die dritte Person, die sich schließlich auf den Weg zum Mars macht, ist der ehemalige Waffenspezialist Jeff Wilcox. Eigentlich bei einer Mission auf Ganymed ums Leben gekommen, hat er vielmehr sein Gedächtnis verloren und verdient jetzt sein Geld als Profikiller. Sehr hilfreich ist dabei seine Fähigkeit als ‚Bodychanger‘, er kann in die verschiedensten Körper schlüpfen und ist damit fast unauffindbar.

Zu Guter Letzt lernen wir Leonie Haegel kennen. Eine treu sorgende Mutter, die zusammen mit ihren vier Kindern nach einer jahrelangen Reise auf der neuen Erde ankommt. Sie freut sich auf das Wiedersehen mit Ihrem Mann, dem Kommandanten der Kolonie. Natürlich ist auch auf der neuen Erde nicht alles so wie erwartet.

Obwohl alle Beteiligten völlig unabhängig agieren, sind Sie doch mit Ausnahme von Tara irgendwie miteinander verbunden. Alle kennen sich und haben in ihrem früheren Leben schon miteinander zu tun gehabt. Das Ganze erinnert ein bisschen an eine Soap Opera und hat auf den Verlauf der Handlung nicht den geringsten Einfluss. Es bleibt das Geheimnis des Autors Thariot, welchen Zweck diese Verbindungen haben.

Und? Kommt da noch mehr?

Nachdem die Protagonisten endlich den Mars erreichen, kommt es zum erwarteten „Showdown“ und endlich fließen drei der vier Handlungsstränge zusammen. Ein Mensch wird getötet, eine Schlacht entbrennt und die Machtverhältnisse verschieben sich.

Auch auf der neuen Erde spitzt sich die Lage zu. Eine unbekannte Seuche rafft den größten Teil der Bevölkerung hin. Selbst im Orbit, der eigentlich sicher ist vor jedem Erreger, der auf dem Planeten wüten könnte sterben die Menschen. Aber glücklicherweise nimmt Leonie, nach dem Tod ihres Mannes, das Heft in die Hand und es gelingt ihr durch einen einfachen Trick die Seuche einzudämmen.

Viel Potential verschenkt

Das Setting von „Solarian“ verspricht richtig gute Science Fiction. Man möchte erfahren, was aus der Menschheit wird, wenn die Pole schmelzen und die Erde sich in eine Wüste verwandelt. Wie entwickelt sich eine Kolonie von Privilegierten, die auf einem neuen Planeten gestrandet ist und abgeschnitten von der Erde neu anfangen muss?Auf diese Fragen liefert „Solarian Tage des Aufbruchs“ leider nur sehr wenige Antworten. Stattdessen ist das Buch ein Thriller, der genauso gut auf der Erde des 20. Jahrhunderts spielen könnte.

Ordentliches Buch im Selbstverlag

Trotz der leichten Enttäuschung ob der verschenkten Möglichkeiten, ist „Solarian“ kein schlechtes Buch. Der Roman ist vielmehr ein gutes Beispiel dafür, dass sich der Blick in die Rubrik „Self publishing“ mittlerweile absolut lohnen kann. Das Buch ist sprachlich gut gelungen und die Story ist, bis auf die überflüssigen Verbindungen der Protagonisten, gut durchdacht und frei von groben Fehlern in den Handlungsfäden. Und vielleicht erscheint ja auch mal ein zweiter Teil, der mit den genannten Kritikpunkten aufräumt und uns mehr erzählt, von der Erde, die sich in eine Wüste verwandelt hat.

Diese Rezension hat Gastrezensent Klaus Volmer geschrieben – Vielen Dank! :-)

Solarian-Tage des Aufbruchs
Thariot
Science-Fiction
CreateSpace Independent Publishing Platform
Juni 2015
490

Funtastik-Faktor: 65

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