Elidar-Magierin der Drachen – Susanne Gerdom

Intelligente und spannende Drachenfantasy

Elidar © Piper
Elidar © Piper

Der kleine Dieb Tajo stahl Ibram, dem Diener des Magister Zorn, eine magische Geldbörse. Im Unterschlupf des unheimlichen Magiers wurde er festgesetzt und hört nun dessen Geschichte, die Geschichte Elidars.

Das Mädchen Elidar lebt in den Straßen der Stadt Yasaim. Der Soldat Luca setzt sich für sie ein, als sie in einen Tumult gerät, wird dabei allerdings so schwer verletzt, das er in der Garde ausgedient hat. Luca beschließt, mit Elidar in den Norden Ledons, in die Stadt Cathreda zu gehen. Doch es kommt anders: der „Alte Drache“ Mukhar-Dag, der einflussreichste Drachenmensch in Yasaim, macht Luca das Angebot, ihm zu dienen. Elidar zieht allein nach Ledon. Lucas Geschenk, die Jason-Medaille, öffnet ihr die Tür zu Prinzessin Morgenblüte. Mit ihrer Empfehlung wird Elidars aussichtslos scheinender Lebenstraum wahr. Als Junge getarnt wird sie an der Zauberschule des Spinnenordens aufgenommen. Elidars Lehrjahre bringen jedoch Unfrieden in den Orden und zeigen, dass gefährliche Fähigkeiten in ihr schlummern, die sie kaum zu beherrschen vermag. Wer oder was Elidar tatsächlich ist, weiß das Auge der dunklen Nigh.

Fortsetzung dringend empfohlen!

Wenn ein Fantasybuch mit Drachen angekündigt wird, fühlt man sich heute an Christopher Paolinis „Eragon“ oder Naomi Noviks “Die Feuerreiter Seiner Majestät“ Reihen erinnert. Nun sind Drachen ein klassisches Volk, wie Elben oder Zwerge, mit dem sich schon viele High-Fantasy-Epen beschäftigt haben. Was gibt es also noch über diese mystischen Wesen zu erzählen?

Um es gleich vorweg zu nehmen: in “Elidar“ geht es nicht um Menschen und Drachen, die einander finden und gemeinsam die Welt retten und auch nur am Rande um die Ausbildung in einer Schule für angehende Zauberer. Elidars Abenteuer beginnt wie das vieler mutiger Mädchen, die in einer frauenfeindlichen Umgebung als Mann verkleidet für ihr Ziel kämpfen. Sie verfügt über eine magische Begabung, obwohl Frauen angeblich keine Magie wirken können. Aus einer Maskerade entwickelt sich eine dramatische Geschichte um Freundschaft, Verrat und Treue, die alles bietet, was der Fantasy-Fan begehrt: Eine farbenfrohe mystische Welt, facettenreiche Haupt- und Nebenfiguren und phantastische Wesen weit jenseits der üblichen Klischees. Susanne Gerdom hat ihre Drachen als eine Reihe von unterschiedlichen Echsenwesen, vom saurierartigen Reittier bis zum hochentwickelten Drachenmenschen, die Dkhev, mit eigener Evolution und Kultur entwickelt. Mensch und Dkhev leben Seite an Seite, und doch wirkt der Lebensraum der Drachen wie eine Parallelwelt. An der Oberfläche strotzt die Stadt Yasaim nur so vor märchenhaftem orientalischen Flair, unterirdisch birgt sie düstere Geheimnisse.

Elidars Selbstfindung als Person und Magierin zieht sich als roter Faden durch die Handlung und doch ist “Elidar“ keine der typischen Coming-of-Age-Stories. Die Ausbildung zur Magierin überspringt etliche Jahre und wendet sich glücklicherweise recht schnell dem eigentlichen Thema zu; Elidars Rolle zwischen Menschen, Magiern und Drachen, die sich in einem empfindlichen Gleichgewichtsverhältnis bewegen.

Wenn man “Elidar“ überhaupt mit einem Werk vergleichen wollte, dann kämen dafür Ursula K. LeGuins großartige Geschichten über die “Erdsee“ in Frage. Denn auch in “Elidar„ spiegeln sich humanistische Themen wieder, wie Toleranz und die Verantwortung für das eigene Handeln. Die Magie ist hier, wie unser Fortschritt, kein Segen, der alle Probleme löst, sondern auch welche schafft und daher mit Bedacht einzusetzen. Elidars Gabe, manipulierend auf ihre Mitmenschen einzuwirken, fordert zudem das Urteilsvermögen des Lesers, denn man fragt sich: Was wäre gewesen wenn…?“

Eine Lovestory, wie sie der Klappentext verspricht, sucht man vergeblich. Es kommt zu einer kurzen Romanze inmitten des Geschlechterwechselspiels im Spinnenorden und einer besonderen intimen Beziehung am Ende des Buchs, aber die große Liebe ist hier kein Thema – vielleicht noch nicht. Denn obwohl „Elidar“ ein abgeschlossener Roman ist, schreit die Handlung nahezu nach einer Fortsetzung. Viele Fantasyveröffentlichungen erscheinen seitenreich und wirken künstlich ausgewalzt. Hier ist es beinahe andersherum, „Elidar“ überzeugt durch einen straffen, intelligent entwickelten Plot. Einige Konflikte, wie die weitere Entwicklung der Magie, die Machtkämpfe zwischen Mensch und Dkhev und Elidars Position im Volk der Drachen, bleiben jedoch ungelöst. Daraus ließen sich sicherlich noch viele Geschichten spinnen, die jeder Leser, der tiefgreifende Fantasy liebt, gern lesen würde.

Diese Rezension von mir, Eva Bergschneider, erschien bereits auf www.phantastik-couch.de

Elidar-Magierin der Drachen
Susanne Gerdom
Fantasy
Piper
2011
480

Funtastik-Faktor: 86%

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