Ghostsitter-Geister geerbt – Tommy Krappweis

Fröhlich gruseliges Feuerwerk

Ghostsitter-Geister geerbt - Tommy Krappweis © Egmont Schneiderbuch
Geister geerbt © Egmont Schneiderbuch

Ein Brief stellt das Leben des 14jährigen Tom auf den Kopf: eine Einladung zu einer Testamentseröffnung. Sein Großonkel Heinrich vererbt ihm unermesslichen Reichtum, wenn er die Bedingung annimmt, die Gespensterbahn „Schreckensfahrt“ zu übernehmen und mindestens fünf Jahre zu betreiben. Mitten hinein in das Büro des seltsamen Rechtsanwalts Rufus T. Feuerflieg stürmt ein Fremder und bietet ihm 100.000 Euro für die Bahn an. Trotzig lehnt Tom ab und unterschreibt in dem allgemeinen Trubel mit Tinte und seinem Daumenabdruck. Sofort danach muss er mit seinem Onkel Welfe mitfahren, sein Erbe antreten. In einer Industriebrache steht eine alte Halle, in der die Geisterbahn über Winter vor sich hin rostet. Tom ist kaum dort, schon muss er seine erste Mutprobe bestehen. Denn die Geister sind echt und dürfen unter keinen Umständen von normalen Menschen entdeckt werden.

Tommy Krappweis erfreut die Menschheit schon länger mit seinem überbordenden Humor und seinen haarsträubenden Ideen. Sei es als Moderator von Disney TV, als Entertainer bei RTL Samstag Nacht oder als Erfinder von Bernd – das Brot. Sein letzter großer Coup war „Mara und der Feuerbringer“ als Trilogie und der gleichnamige Film 2015, der Fantasy und nordische Mythologie gekonnt und mit viel Humor vereint.

Wir hatten damals „Die rote Zora und ihre Bande“. Die Kids heute haben Tom als Ghostsitter. Ob Eltern diese Geschichte als pädagogisch wertvoll erachten, hängt davon ab, wie viel Spaß sie ihren Kindern gönnen. Den Kids macht sie jedenfalls einen horrenden Spaß. Klares Zeichen dafür ist der dritte Preis des LovelyBooks-Leserpreises in Kinderbuch. Ehrlich? Nun sind meine Kinder schon so alt, dass ich Großmutter sein könnte. Und ich hatte einen Riesenspaß bei dieser kurzweiligen Lektüre. Wenn wir Erwachsenen einmal nicht mit großer Literatur die Welt retten wollen, ist Ghostsitter ein willkommener Lesespaß für zwischendurch und unterhält auch uns „Alte“ vortrefflich.

Jung genug für ein Kinderbuch

Krappweis malt mit Ghostsitter eine Kindheit bzw. Jugend, wie sie sich bestimmt viele junge Menschen erträumen: Weg von einem strengen Elternhaus oder Helikoptereltern, Computer spielen, so lange und viel man will, niemand nörgelt. Abenteuer den ganzen Tag lang, endlich mal für etwas verantwortlich sein und das noch mit Freunden gemeinsam. Nur sind in diesem Falle die Freunde untot: ein Cabrio fahrender Werwolf, ein Vampir, der sich in alles Mögliche verwandeln kann, eine Mumie, die sich zweimal am Tag neu bandagieren muss, ein Zombie mit seinem rosa Plüschhasen und ein eifersüchtiges Geistermädchen. Selbstverständlich gibt es auch einen Feind vom Feinsten.

Aus der Klinge der Waffe quoll ununterbrochen dunkelrotes Blut und tropfte über das Heft des Schwerts und über die Finger in langen Fäden zu Boden. [S. 128]

Ghostsitter ist eine schnelle Geschichte. Bevor Tom dazu kommt, über das Erlebte nachzudenken, passiert schon wieder das nächste Desaster. Es ist die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft und natürlich der Dummheit der Feinde. Die Sprache ist klar und einfach, ohne simpel zu sein. Knackig und liebevoll charakterisiert der Autor die einzelnen Gestalten. Wenn mich etwas gestört hat, dann dass durch Kämpfe zerstörte Sachen einfach kaputt blieben – nachdem was alles passiert ist, müsste z.B. der Wohnwagen unbenutzbar sein. Auch scheint der arme Junge nie Hunger oder Durst zu haben. Das wird Kinder und Jugendliche vermutlich wenig interessieren. Sollten die Leser dieser Kritik Kids im Alter zwischen zehn und unendlich zu beschenken haben, macht Freude mit Ghostsitter, einem Spaß für die ganze Familie.

Amandara M. Schulzke

Geister geerbt
Ghostsitter Band 1
Tommy Krappweis
Fantasy Kinderbuch
Egmont Schneiderbuch
Oktober 2015
256

Funtastikfaktor: 82

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