Ruf zu den Waffen – D. Weber, T. Zahn, T. Pope

Ein Aufwärtstrend, doch die Serie bleibt unter ihren Möglichkeiten

Ruf zu den Waffen - D. Weber, T. Zahn, T. Pope © Bastei Lübbe
Ruf zu den Waffen © Bastei Lübbe

Aus inoffiziell wird offiziell

Mit dem zweiten Band der »Der Aufstieg Manticores«-Reihe, »Ruf zu den Waffen« ist es offiziell: Neben den Autoren des ersten Bandes, David Weber und Timothy Zahn, erscheint jetzt auch endlich Thomas Pope auf dem Cover, der ja bereits am Auftaktband »Im Namen der Ehre« mitwirkte. Aus rechtlichen Gründen durfte er nicht als Autor des ersten Romans geführt werden.

Im Sternenkönigreich Manticore spielt sich noch immer das politische Gerangel um die Zukunft der Navy ab. Die politische Partei von Earl Breakwater versucht alles, um diesem Militärzweig den Geldhahn enger zuzudrehen. Und das, obwohl die Navy erst vor kurzem ihren Wert bewies. Die aktuelle Idee dieser Politiker ist nun, Personal und Geld eher dem Patrol – und Rescue Service zukommen zu lassen. Andere Kräfte arbeiten derweil daran, Manticore wehrlos zu machen. Der neueste Plan sieht das Anheuern eines berüchtigten Piraten und gleichzeitig Spionage vor. Der Verlust von Menschenleben gilt bei diesen Vorhaben als vernachlässigbar.

Aus Eins mach Drei

»Ruf zu den Waffen« ist in drei Abschnitte, Bücher genannt, aufgeteilt. Vor allem im Vergleich zum Vorgänger liest sich der erste Teil sehr spannend. Danach baut die Geschichte leider ab, um sich im letzten Drittel wieder etwas zu berappeln. An die Qualität des ersten langen Abschnitts reicht der finale Teil allerdings nicht heran.

Dass die Handlung zu einem Großteil in unbekannten Gefilden stattfindet, trägt zur Spannnung des ersten Drittels bei. Der Plot konzentriert sich auf die Erlebnisse einer Manticore-Mission, an der Lisa Donnelly und Charles Townsend im Casca-Sternensystem teilnehmen. Dort werden die Protagonisten in eine perfide Verschwörung verwickelt. Diese Handlung liest sich wie ein Thriller, denn es gibt immer wieder unvorhersehbare Wendungen. Die Charaktere wachsen einem ans Herz, denn sie sind keine Übermenschen, wie im letzten Roman. Sondern normale Typen, die eben eine gute militärische Ausbildung genossen haben.

Das Böse und die Bösen

Wir verfolgen mehrere Handlungsstränge gleichzeitig und lernen Lyn kennen. Für seinen Arbeitgeber, die Mega Corporation Axelrod, unternimmt er alles, um das Sternenkönigreich zu schwächen. Er ist ein umsichtiger Mann, der heimlich und leise agiert, dabei allerdings absolut skrupellos ist. Lyn ist der wahre Antagonist. Wie ein Puppenspieler lenkt er die einzelnen Akteure, die er gegen Manticore losschickt. Diese intelligent wirkende Charakterdarstellung funktioniert nur, weil die Autoren die Feinde längst nicht so detailliert beschreiben. In den meisten Fällen schreiben sie ihnen charakterliche Schwächen wie übermäßige Arroganz zu, die am Ende für ihr Scheitern sorgen.

Ein weitere Subplot sind die Geschehnisse im Sternenkönigreich. Insbesondere das Bestreben von Breakwater, die Navy zu schwächen, sowie die Rolle, die das Könighaus einnimmt. Die Autoren versuchen hier offensichtlich Parallelen zu der Konvention der Neutralität des britischen Königshauses zu ziehen. Prinz Edwards Ablehnung der Politik Breakwaters ist dennoch nicht zu übersehen, solange bis der Thronfolger sein Erbe antritt. Der folgende Richtungswechsel trägt nicht gerade zur Glaubwürdigkeit dieser Handlung bei, da die Gründe dafür nur angedeutet werden. Charaktere, die eigentlich für Plausibilität sorgen könnten, bleiben zu blass.

Es zieht sich

Breakwaters merkwürdige Ansichten spielen vor allem im Mittelteil des Romans eine essenzielle Rolle. Das Ergebnis sind weitere krude Entscheidungen mit katastrophalen Folgen für die Soldaten, die im All ihren Dienst leisten. Davon betroffen ist auch der eigentliche Protagonist, Travis Long. Dessen Pflicht- und Regelbewusstsein lässt ihn weiterhin überall anecken. Immerhin verzichten die Autoren dieses Mal darauf, seine technischen Fähigkeiten wie im ersten Roman zu überzeichnen.

Das letzte Drittel des Romans besteht aus einer einzigen, langgezogenen Schlacht. Einen Angriff auf das Sternenkönigreich versuchen seine Verteidiger mit allen Mitteln abzuwehren. Diese Handlung wirkt zu breitgewälzt. Die seitenlangen Dialoge und Darstellungen von Manövern wirken insgesamt einschläfernd. Die wenigen dramatischen Szenen reißen sie nicht aus der vorherrschenden Lethargie heraus. Vielleicht hätte das Finale besser funktioniert, wenn die Autoren den zweiten und dritten Teil des Romans zusammengeführt und dadurch die Handlung gestrafft hätten.

»Ruf zu den Waffen« ist immerhin unterhaltsamer, als »Im Namen der Ehre« Trotzdem bleibt in der Serie »Der Aufstieg Manticores« noch viel Luft nach oben, was den Spannungbogen und den Aufbau der Story betrifft. Der Rezensent hofft darauf, dass die Autoren den Raum für Verbesserungen in den Folgebänden besser nutzen.

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Götz Piesbergen

Ruf zu den Waffen
Der Aufstieg Manticores - Band 2
David Weber, Timothy Zahn, Thomas Pope (Übersetzer Ulf Ritgen)
Science-Fiction, Military SF
Bastei Lübbe
Dezember 2016
592

Funtastik-Faktor: 40

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