Träumen Androiden von Freiheit? – PAN Branchentreffen 2018

Oder träumen sie von Mut, Revolution und Leidenschaft?

Tag 1. – Donnerstag, 19. April 2018

Im Kölner Odysseum trafen sich in diesem Jahr die Phantastik-Autoren Deutschlands zu ihrer 3. Tagung. Diana Menschig, die Vorsitzende, stimmte die Tagungsteilnehmer mit ihrer Begrüßungsrede gleich auf die politische Ausrichtung des diesjährigen Treffens ein. Sie sagte sinngemäß, dass Politik und Phantastik kein einfaches Thema sei, vor allem in den aktuell aufregenden Zeiten, in der sich unsere Welt im Wandel befindet. Es geht darum, den moralisch einwandfreien Menschen zu schaffen und mit totaler Überwachung online und offline zu kontrollieren, ob sich das Individuum an die Normen hält und ein „ social-credit-System“ einzuführen. Eine Fiktion? Leider nicht. Die chinesische Regierung plant bis 2020, ein solches System zu installieren. Diana fragte nach unserer Rolle als Phantastik-Autoren, ob wir denn überhaupt gebraucht würden, ob wir nicht lieber reine Unterhaltungslektüre schreiben sollten. Mit dieser Provokation legte sie den Grundstein für viele spannende, interessante und hitzige Gespräche und Debatten.

Es war einmal

Märchenhaft begann Michael Baumann, Mitglied der Gesellschaft für Phantastikforschung, seinen Vortrag. Märchen sind die älteste phantastische Literatur. Sie wurden von vielen Tiefenpsychologen wegen ihrer Archetypen und den Einfluss auf die menschliche Psyche und deren Entwicklung untersucht. Für viele neu war die Untersuchung der überlieferten Märchen und Sagen auf ihre politische Dimension. „Macht und Märchen“ lautete sein Vortrag. Er erklärte unter anderem, dass die Sammlung der Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm nicht unbedingt deutsche Volksmärchen waren, wie sie im Alltagsbewusstsein gelten. Gebildete Bäuerinnen hatten den Brüdern die meisten erzählt. Bei einigen war klar, dass sie europäische Wurzeln hatten.

An dem Beispiel des Kunstmärchens „Der Zwerg Nase“  von Wilhelm Hauff führte er vor, wie sich Zwerg Nase gegen die Kleinstaaterei der Deutschen subtil wehrte. Es war die Zeit des Vormärz mit beginnender Industrialisierung, Landflucht und Verarmung. Die Deutschen schielten nach Frankreich, nach den hehren Idealen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Zwerg Nase steht symbolisch für das Wesen, das sich aus eigener Kraft mit Wissen und Geschick hocharbeitet. Schönheit gegen Fähigkeit. Märchen verspotten Machthaber und sind somit sozialkritisch. Oder sie idealisieren den gerechten König und sind romantisch dazu. Märchen können mit gesellschaftlichen Tabus brechen und sind in dem Falle politisch. „Es war einmal“ scheint anfangs eine klare einfache Geschichte zu werden, die die Hörbedürfnisse der Zuhörer erfüllt, doch zugleich sind Märchen komplex und verstecken unter ihren simpel anmutenden Zusammenhängen komplexe Wahrheiten.

Während des Nationalsozialismus schrieb der „Dichterfürst“ Hermann Stehr, der der  Blut-und-Boden-Ideologie Hitlers, Himmlers und anderer verfallen war, klassische Märchen so um, dass sie den Machthabern dienten und dem göttlichen deutschen (arischen) Volk den Willen zur Macht verlieh. Seid Euch immer gewahr: „Märchen lügen nicht.“

„My god, what if…“

Katja Böhne, Verantwortliche für Marketing und Kommunikation der Frankfurter Buchmesse, sang ein Loblied auf die Science Fiction als Geisteshaltung. Sie erinnerte die Anwesenden an schon vor langem gelesene Utopien und gab Anregungen für Autoren, die in die Bücherschränke gehören. Ein erfrischender Vortrag, der alten Hasen nicht viel Neues brachte, doch Freude bereitete.

Sprechblasen

Das nächste Panel widmete sich den Medien Comic und Manga. Bei den Nazis galten Comics und Trickfilme als entartete Kunst, obwohl der Führer heimlich „Mickey Mouse“ guckte. Achim Schnurrer, Publizierender Hans-Dampf-in-allen-Gassen, erzählte aus der Frühzeit der Comics hier in Deutschland. Er war 1984 Gründer des Internationalen Comic-Salons in Erlangen. Seitdem haben die früher für Kinder konzipierten Bildergeschichten einen großen Wandel vollzogen, inhaltlich, künstlerisch, gesellschaftlich. Sie mutierten von purer Unterhaltungsliteratur in verschiedene Genres. Viele Reihen haben heutzutage einen ernsthaften Anspruch. In Frankreich ist die Comic-Kultur weit vorn; die Franzosen sind die Urheber der politischen Karikatur. In den USA reicht ein Superheld/Superheldin den Staffelstab an den/die nächste weiter. Wir Deutschen hinken etwas hinterher. Comics spiegeln ein Lebensgefühl wider und seit spätestens 2016 braucht sich der in Deutschland geschaffene Comic vor der internationalen Konkurrenz nicht mehr zu verstecken. Über die Rolle des Comics in der Phantastik debattierten fünf vom Fach – inklusive ein Geek. Es leben die Anglizismen.

Schreibt uns mehr Räubertöchter als Prinzessinnen

Akram El-Bahay, Kathrin Lange, Maike Stein, Gudrun Hoffmann-Schoenborn, Lars Schmeink@ Amandara M. Schulzke
Akram El-Bahay, Kathrin Lange, Maike Stein, Gudrun Hoffmann-Schoenborn, Lars Schmeink@ Amandara M. Schulzke

Last but not least bot Prof. Lars Schmink die Steilvorlage zu wochenlangen Debatten im WWW. „Von Diversität, Intersektionalität und Repräsentation – Politische Dimensionen der Phantastik“ und die anschließende Diskussion „Rassismus – Sexismus – Homophobie – welche Verantwortung hat die Phantastik?“

Diese anderthalb Stunden Diskussion waren eindeutig zu kurz und heizten die Gemüter auf. Als Fazit ist bei mir hängengeblieben, dass wir alle uns mehr der strukturellen Unterdrückung bewusst sein sollten, die der Gesellschaft immanent ist. Die Phantastik ist ein Teil der Gesellschaft. Damit gebe ich das Wort an Eva Bergschneider weiter und muss abschließend unbedingt loswerden, dass das Zusammensein und der Austausch mit so vielen gleich Gesinnten erhebend ist und glücklich macht. Vielen lieben Dank allen Organisatoren.

Einstand beim Ausklang

Das PAN Branchentreffen 2018 fing für mich am Donnerstagabend (19. April 2018) im Sünner-Biergarten im nahen Köln-Kalk an. Ich genoss ein Feierabend-Bier mit den PAN Autoren und Besuchern des Branchentreffens, die den kleinen Biergarten erobert hatten.
Wichtigstes Thema war der Vortrag von Lars Schmeink „Von Diversität, Intersektionalität und Repräsentation – Politische Dimensionen der Phantastik“ und die anschließende Diskussion „Rassismus – Sexismus – Homophobie – welche Verantwortung hat die Phantastik?“ Die Frage nach Frauenfiguren in der Phantastik spaltete das Meinungsbild im Biergarten und später im Netz. Gibt es zu wenige oder zu viele? Gibt es die richtigen Frauenfiguren? Den Vortrag von Lars Schmeink findet ihr hier, hier dessen Kommentar zur Diskussion und hier einen Artikel von Lena Falkenhagen.

Tag 2 – Freitag, 20. April 2018

Ein ganzes halbes Jahr später: erstes Resümee der Phantastik-Bestenliste – Susanne Kasper von Literaturschock

Susanne Kasper PAN-Treffen 2018 @Eva Bergschneider
Susanne Kasper @Eva Bergschneider

Susanne Kasper zog ein positives Fazit zum ersten Halbjahr der Phantastik-Bestenliste. Es sind bisher 7 Phantastik-Bestenlisten erschienen, die von Menschen aus der Literaturbranche (Journalisten, Bloggern, Autoren, Buchhändler) monatlich mit 10 Titeln zusammengestellt wird. Erlesene Phantastik wird auserwählt, textlich anspruchsvolle Bücher, die die gesamte Bandbreite der Phantastik spiegeln. Jeder kann übrigens Bücher vorschlagen, die in die Bestenliste aufgenommen werden sollen, auch Autoren ihre eigenen Werke. Die Jury prüft, ob der genannte Vorschlag der Top 10 Liste des folgenden Monats würdig ist. Zu jeder Liste gibt es einen Podcast, der durchschnittlich 40-70 Mal aufgerufen wird.

Manchem enthält die Phantastik-Bestenliste zu wenig Fantasy, anderen zu viel. Wieder anderen fehlen Anthologien oder sie bemängeln die hohe Fluktuation an Büchern.
Susanne erklärte, dass die hohe Fluktuation ausdrücklich erwünscht sei, damit möglichst viele gute Phantastik-Bücher vorgestellt werden. Meine Frage, ob es für die Juroren eine Art Konzept gäbe, beantwortete sie mit Nein. Die Juroren sind Fachleute entscheiden nach eigenem Ermessen. So wird es auch bei der Krimi-Bestenliste gehalten, mit dessen Initiator Tobias Gohlis sich Susanne ausgetauscht hat.

Science-Fiction und Phantastik am Fachwerk – Alchemie und Utopie in der Renaissance – Beatrice Nunold

Der Titel des Vortrags war tatsächlich wörtlich zu nehmen. Die Autorin Beatrice Nunold stellte ein Fachwerkhaus in Goslar vor, das „Brusttuch“. Dieses 1526 erbaute Haus schmückt eine eindrucksvolle Fassade mit Schnitzereien und Schmuckelementen, die eine phantastische Geschichte erzählen. Erschaffen hat diese Kunstwerke Magister Thillink, der seine Weltsicht im Holz verewigte, die seiner Zeit weit voraus war. Beatrice Nunold ging ausgiebig auf viele der Schnitzereien. Sie erklärte die Mythologie, die futurologische Perspektive und die Opposition zu bestehenden Herrschaftsstrukturen, die zum Ausdruck kommen.

Meiner Meinung nach verzettelte sich Frau Nunold zu sehr in den Details. Ich hätte mir mehr Einordnung in den historischen Kontext der Epoche gewünscht, um besser zu verstehen, wie revolutionär Thillinks Kunst am Haus wirklich war.

Interview: Wie weit geht die Freiheit des Wortes? – Lena Falkenhagen im Gespräch mit Ralph Neugebauer, Richter am Oberlandesgericht Düsseldorf

Dieses Gespräch war für mich ein Highlight des Tages. Die Planer des Branchentreffens konnten nicht ahnen, dass das Thema durch die Echo-Verleihung so eine aktuelle Brisanz erhalten würde. Natürlich streifte das Gespräch die Ehrung der Rap-Musiker Kollegah und Farid Bang samt ihrer antisemitischen Liedtexte und verurteilte diese. Im Wesentlichen ging es jedoch um Fragen wie „Wie weit geht Kunstfreiheit und wo beginnt die Verletzung der Persönlichkeitsrechte?“. Ralph Neugebauer ging beispielhaft auf den indizierten Roman „Esra“ von Maxim Biller ein. Die Protagonisten in dem Buch, Mutter und Tochter, sind realen Personen zuzuordnen. Verboten wurde es, weil das Sexualleben der Tochter thematisiert und somit die Intimsphäre der realen Person tangiert wurde. Die Intimsphäre einer Person gilt als besonders schützenswert und ist somit der Grund für die Indizierung.
In der Diskussion mit dem Publikum ging es um weitere Beispiele zur Absteckung des Bereichs in dem sich

„das Grundrecht mit der Menschenwürde kratzt.“ [Ralph Neugebauer]

Warum fallen Jan Böhmermanns wenig schmeichelhafte Bezeichnungen für den türkischen Staatspräsidenten unter Kunstfreiheit? Neugebauer wies darauf hin, dass der Grundsatz „Wer austeilt, muss auch einstecken können“ gilt und Personen in der Öffentlichkeit mehr aushalten müssten als reine Privatpersonen.

„Sollten Autoren besser die Finger davon lassen, ihre Feinde literarisch darzustellen?“ fragte jemand aus dem Publikum. Als Antwort erhielt er, dass Verfremdung der Person hier der Schlüssel dazu sei, juristischen Schwierigkeiten mit den Betroffenen aus dem Weg zu gehen. Jedoch ist ein Persönlichkeitsrecht nicht vererbbar. Über verstorbene Personen darf man literarisch herziehen, ohne dass die Nachkommen dies verhindern könnten.

Thor war kein Nazi – Haltung vs. Haltungsschaden – Erfahrungen mit Neonazis, Aluhüten und dem Dunning Kruger Effekt im Social Media – Tommy Krappweis, Autor

Tommy Krappweis PAN Treffen 2018 @ Eva Bergschneider
Tommy Krappweis @ Eva Bergschneider

Tommy Krappweis erzählte von seinem Kampf gegen die Instrumentalisierung der germanischen Mythologie für rechtsextreme Politik. Der Thorhammer wird gern als Symbol der Rechtsextremen missbraucht. Für die Thematisierung der germanischen Mythologie in „Mara und der Feuerbringer“ erhielt Tommy Applaus aus der rechten Ecke, den der Autor nicht möchte. Was er gegen diese Vereinnahmung und generell gegen Nazis unternimmt, erläuterte Tommy in einem ebenso engagierten, wie unterhaltsamen Vortrag.
Seinen Status als öffentliche Person mit vielen Followern nutzt Tommy, um auf Facebook, Twitter und YouTube gegen den Missbrauch germanischer Mythologie und rechte Hetze vorzugehen. Der Autor kommentiert Hasskommentare und rechte Parolen in den sozialen Medien. Als Mittel zur Verspottung von Nazis dient Tommy Krappweis sein Humor. Bernd das Brot trat in einem satirischen Video als Charlie Chaplin in der Rolle Hitlers und als Adolf Hitler selbst auf. Nach einer Beschwerde beim KiKa Sender wurde der Clip jedoch abgesetzt. Auf YouTube veröffentlichte Tommy ein Video, indem er sich über Inkompetente, die sich für kompetent halten, lustig macht. Der Clip „Der Dunning Kruger Blues“, parodiert den gleichnamigen Effekt.

Der Dunning Kruger Blues

Habt den Mut, ihnen entgegenzutreten.

Ich war schockiert, als eine Bloggerin und Autorin erzählte, dass sie ihren Namen und ihr Bild mit verbalen Attacken auf einer rechtsextremen Seite vorgefunden hat. Einfach weil sie, wie ich selbst auch, Nathans Crowdfunding Aktion auf Facebook teilte und dafür warb. Nathan vom Literaturcamp Heidelberg sicherte sich die Domain „wir-sind-afd.de“ und veröffentlicht darunter Zitate von AfD-Politikern, die zeigen, wie menschenverachtend, rassistisch und rechtsextrem diese sind. Die AfD hat Nathan wegen der Nutzung dieser Domain verklagt und in erster Instanz Recht bekommen. Mit Hilfe der Crowdfunding Aktion wurde Geld gesammelt, mit dem Nathan in Berufung gehen kann.

Über diesen Vorfall sprach die betroffene Autorin mit Tommy Krappweis und er machte ihr Mut. Trotz seiner Vendetta gegen Rechtextreme und daraus folgender Hasskommentare auf seinen Plattformen, ist Tommy nie tätlich angegriffen worden und wird Nazis weiterhin kritisieren und bloßstellen.

Mittagessen-Bekanntschaft aus Neuseeland

Beim Mittagessen lernte ich eine Autorin kennen, bald nach Neuseeland auszuwandern wird. Gerade aus meinem persönlichen Paradies zurückgekehrt interessierte mich ihre Geschichte und ich erzählte von meiner Reise und meinen Eindrücken. Wir unterhielten uns über die neue Regierungschefin Jacinda Arden, über deren Schwangerschaft und anstehende Babypause mehr berichtet wird, als über ihre Politik. Wir sprachen über „New Zealand first“, der Partei, mit der die Labour Party Ardens eine Koalition einging, und die meine Gesprächspartnerin nicht auf einem Level mit der AfD sieht. Das Gespräch war ein äußerst interessant und inspirierend und ich bin froh, dass ich jetzt einen Facebook-Kontakt in Neuseeland habe.

Planet YouTube – was die rote Welt alles zu bieten hat – Samira Blankestijn, Autorin, Simon Czaplok, Redaktion mephisto

Wusstet ihr, dass YouTube bezüglich Nutzungshäufigkeit sowohl bei den Suchmaschinen, als auch als Social Media auf Platz 2 liegt? Ich gehöre zu jenen, die ab und zu ein Musikvideo, oder ein erklärendes „Wie mache ich/installiere ich/funktioniert dies oder das“ Video bei YouTube schauen. Der Vortrag bot einen guten Überblick darüber, was YouTube dem Nutzer und speziell Bloggern für Möglichkeiten bietet. Begriffe aus dem Bullshit-Bingo des Marketings wie Influencer – Introducer – Closer oder YouTube spezifische Termini wie Pranks und Hauls wurden uns älteren Semestern auf Anfrage erklärt, sodass ich durchaus um einiges schlauer aus der Veranstaltung herausging. Ob ich dadurch YouTube in Zukunft häufiger nutzen werde, wird sich zeigen.

HOW TO NOT NOT TO – ein idealistisches Plädoyer für die Überwindung kreativen Zweifels – Christian von Aster, Autor

Christian von Aster PAN Treffen 2018 @ Eva Bergschneider
Christian von Aster @ Amandara M. Schulzke

Ein weiteres Highlight war Christian von Asters Vortrag über den Aspekt der Leidenschaft im Beruf des Autors. Der Autor skizzierte exemplarisch seinen Weg zum Autor und Künstler. Wer von Asters Werk ein wenig kennt, weiß, dass er nicht unbedingt für die breite Masse schreibt, sondern eigenwillig und experimentell.

Christian von Aster hat in seiner Laufbahn trotzdem (oder gerade deswegen) viel erreicht. Er hat ein Horrorlexikon geschrieben und eine Vampiranthologie mit Bela B. (ja, der von den Ärzten) im eigenen Verlag veröffentlicht. Einen Kurzfilmwettbewerb hat er gewonnen und in London ein Praktikum beim Film absolviert. Einige von Christians Werken wurden allerdings als „zu ambitioniert“ kritisiert. Darunter „Der letzte Schattenschnitzer“, ein Phantastik-Roman, den mehrere Verlage ablehnten, ehe 2011 Klett-Cotta den Roman publizierte. Ein Jahr später gewann er den Förderpreis der Phantastischen Akademie SERAPH.

Als Vorbilder nannte Christian Roald Dahl und Neil Gaiman, bei einer Literaturagentur unter Vertrag ist er inzwischen nicht mehr. Denn für Christian von Aster sind Limitierungen Herausforderungen und jede Wand, gegen die man läuft, hat eine Geheimtür. Die Leidenschaft für das Werk ist für ihn Antrieb und Anspruch zugleich.
Einen Leitsatz, den ihm ein Wegbegleiter mitgegeben hat, gibt er gern an die Kollegen weiter:

„Wenn Du etwas machen willst, dann mach es.“

Autor – Beruf mit Zukunft oder Berufung ohne Perspektive?

  • Christian von Aster – Autor
  • Laura Flöter – Autorin
  • Kathrin Dodenhoeft, Verlegerin Feder & Schwert
  • Klaus N. Frick – Redakteur PERRY RHODAN und Autor
  • Sandra Rothmund, Lektorin Verlag Thienemann-Esslinger
Klaus N. Frick, Laura Flöter, Kathrin Dodenhoeft, Sandra Rothmund, Christian von Aster, Andrea Diener @ Eva Bergschneider
Klaus N. Frick, Laura Flöter, Kathrin Dodenhoeft, Sandra Rothmund, Christian von Aster, Andrea Diener @ Amandara M. Schulzke

Die wenigsten Autoren können vom Schreiben leben. Viele absolvieren eine Ausbildung, die zum Schreiben passt und zugleich einen alternativen Broterwerb ermöglicht. Laura Flöter erzählte, dass sie als Lehrerin halbtags an einer Schule unterrichtet. So hat sie genug Zeit, für das Schreiben und ihre Kunst. Laura schreibt nicht nur phantastische Geschichten, sie malt und erstellt Objektcollagen.
In der Diskussion drehte es sich um die Frage, inwieweit Verlagsautoren und -Autorinnen die Freiheit haben, die Geschichten zu schreiben, die sie schreiben möchten. Sandra Rothmund sieht ihre Aufgabe als Lektorin darin, zwischen Verlag, Autor und Lesepublikum zu vermitteln und alle glücklich zu machen. Dafür dass die Autoren Geld mit ihren Werken verdienen, liegt die Verantwortung beim Verlag und bei den Lektoren. Deshalb nehmen sie nur Manuskripte an, die sich aus ihrer Sicht verkaufen lassen.

Als Beispiel dafür fällt mir der Feder & Schwert Verlag ein, der lange als DER Steampunk-Verlag in Deutschland galt. Der Uhrwerk-Verlag hat vor gut einem Jahr Feder&Schwert akquiriert und verkündete kürzlich, dass das Verlagsprogramm Steampunk in Zukunft nicht mehr berücksichtigt. Was ich unendlich schade finde. Ich mag zum Beispiel die Peter Langendorf Steampunk-Krimis von Chris Schlicht sehr gern und gerade hat die Autorin den dritten Band fertig gestellt. Bei Feder & Schwert, die die ersten beiden Bände („Maschinengeist“, „Maschinenseele“) veröffentlichten, wird das Buch nicht erscheinen. Ich sprach nach der Diskussion mit Kathrin Dodenhoeft darüber und sie bedauert die Entwicklung auch, erklärte aber, dass die Entscheidung notwendig war. Die Verkaufszahlen für Steampunk-Bücher sind einfach zu schlecht.

Marketing und Blogger waren ebenfalls Themen der Diskussion. Kai Meyer erklärte, dass er Blogger zwar gern mag, sie aber als Marketinginstrument nicht taugen. Dazu hat der Autor ein kleines Experiment durchgeführt. Ein unter einem Pseudonym veröffentlichtes Buch wurde Teil einer Marketing- Kampagne mit ausgewählten Bloggern. Die schrieben überwiegend wohlwollende Rezensionen, der Verkaufserfolg stellte sich allerdings nicht ein.
Ich war froh, dass diese Aussage nicht unwidersprochen stehenblieb. Florian Jung, Blogger bei Creepy Creatures, erläuterte, dass vor allem die größeren Verlage äußerst freigiebig mit Rezensionsexemplaren sind, aber längst nicht alle Bücher tatsächlich auch rezensiert werden. Blogger unterscheiden sehr wohl, ob sie als Marketing-Tool missbraucht werden, oder ob wirkliches Interesse an ihrer Meinung besteht. Letzteres findet Florian eher bei kleinen Verlagen, die ihm auf Augenhöhe begegnen und das Gefühl geben, dass sein Feedback ernstgenommen wird.

Ein Marketinginstrument möchte auch phantastisch-lesen nicht sein, obgleich wir uns freuen, wenn wir auf Verlagsseiten, auf Autorenseiten und auf Covern zitiert werden. Ab und zu scheint das, was wir schreiben, doch marketingtauglich zu sein und das darf es gern. Aus reinen Marketing-Aktionen, wie die Fokussierung des Blogs auf einen Verlag, oder Bloggerteams, die sich manche Autoren als Fanbase halten, halten wir uns weiterhin `raus.

Nach den vielen spannenden Vorträgen und Diskussionen endete mein PAN Branchentreffen 2018 wo es angefangen hat, im Sünner-Biergarten. Dieses Treffen hat mir neue Erkenntnisse und Ideen vermittelt, viel Spaß gemacht, neue Kontakte knüpfen und bereits zuvor geknüpfte vertiefen lassen. Außerdem war es die perfekte Gelegenheit, für anregende Gespräche mit Phantastisch-Lesen Redakteurin und Freundin Amandara. Herzlichen Dank an Dich und an alle PAN Aktivisten für diese inspirierenden, schönen Tage.

Amandara M. Schulzke und Eva Bergschneider

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