Das Ritual von London – Benedict Jacka

Eine qualitative Kehrtwende

Das Ritual von London © Blanvalet Verlag

»Das Labyrinth von London« war der Debutroman von Benedict Jacka auf dem deutschen Buchmarkt. Das Buch konnte trotz seines Potenzials nicht wirklich überzeugen. Jetzt ist die Fortsetzung mit dem Titel »Das Ritual von London« erschienen. Was hat der Autor aus den positiven Ansätzen gemacht? Konnte er die schwächeren Aspekte verringern?

Manche Wünsche sollten besser nicht erfüllt werden

Das Leben von Alex Verus verläuft nach den letzten Ereignissen wieder halbwegs normal. Er kümmert sich um seine Freundin Luna und hilft ihr dabei, ihre besonderen Fähigkeiten besser zu kontrollieren. Als Gefälligkeit für den Weißen Rat der Magier spürt er dem Mörder einer magischen Kreatur nach, dessen Aura gestohlen wurde. Schon bald entwickelt sich dieser Fall in unvorhersehbare Richtungen und bedroht das Leben einer guten Bekannten.

Gleichzeitig sorgt auch Lunas neuer Freund für Kopfzerbrechen. Irgendwie kam er in den Besitz eines magischen Wunscherfüllers. Diesen nutzt er ausgiebig und gerät dadurch in eine Art magische Abhängigkeit, aus der es kein Entkommen gibt.

Gut und Böse sind relativ

Wenn man diesen Nachfolgeband mit dem ersten Teil vergleicht, ist ein qualitativer Unterschied wie Tag und Nacht nicht zu übersehen. Der Autor nahm sich nahezu aller Schwächen des Vorgängers an und eliminierte diese. Die Art und Weise, wie er das jeweils tat, ist eine genauere Betrachtung wert.

Mit der Einführung von Meredith wird dem Protagonisten eine Frau entgegengestellt, die wie er über eine bestimmte Begabung verfügt. Sie kann die Gefühle von Männern manipulieren. Als Mann wird Alex in ihrer Gegenwart derart abgelenkt, dass er nur eingeschränkt in die Zukunft gucken kann und. Da Meredith sehr häufig bei ihm ist, kommt es viel seltener vor, dass Alex Entwicklungen vorhersieht. Diese Einschränkung seines Wahrsagertalents tut der Spannung im Roman enorm gut.

Natürlich ist von vorneherein klar, dass Meredith nichts Gutes im Schilde führt. Doch, und das macht »Das Ritual von London« so besonders, wirkt sich dies nicht negativ auf die Geschichte aus. Vielmehr ist ihre Verhaltensweise geradezu symptomatisch in einer Welt, in der die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen. Manch potenzieller Antagonist entwickelt sich im Laufe der Handlung zu jemanden, der Alex am Ende hilft.

Wie hältst du es mit der Freundschaft?

Hinzu kommen Nebenhandlungen, wie der Umgang der Hauptfigur mit seiner Freundin Luna und ihrem Freund. Im Prinzip geht es hier um falsche Verlockungen und Versprechungen. Lunas Freund verspricht ihr, dass sie mithilfe des magischen Artefakts gemeinsam ein normales Leben führen. Dank Alex Verus weiß der Leser, dass das ein leeres Versprechen ist. Es ist jedoch gut nachvollziehbar, wieso sich Luna so sehr nach Normalität sehnt und an dieses Gelöbnis glauben möchte. An dieser Sehnsucht trägt Alex eine Mitschuld, weil er bisher davor zurückscheute, die Beziehung zwischen ihnen weiterzuentwickeln. Diesen Plot hat Benedict Jacka verdammt gut geschrieben und er zieht das Interesse des Lesers ebenso an, wie die Kerngeschichte.

Natürlich tritt Alex Verus‘ spezielle Fähigkeit in einigen Szenen in den Vordergrund. Doch anders als in dem vorherigen Roman wohl dosiert, sodass es nicht nervt. Es wird als natürlicher Bestandteil der Handlung akzeptiert und erinnert den Leser daran, was den Protagonisten auszeichnet.

Gegen Ende des Buches hat sich durch die Geschichte der Status Quo des Magiers Alex Verus verändert. Nicht nur das weckt Interesse am nächsten Band. Chapeau Benedict Jacka, alles richtig gemacht.

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Götz Piesbergen

Das Ritual von London
Alex Verus-Reihe, Band 2
Benedict Jacka
Fantasy
Blanvalet Verlag
April 2019
381

Funtastik-Faktor: 100

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