Das Schwert der Totengöttin – Katharina V. Haderer

Magisch, düster, untot – ein feines Schmökergarn

Das Schwert der Totengöttin © Knaur Verlag

Einst diente Erik Zejn dem Reich Tradea als Kampfmagier. Unter der Bezeichnung Eisenbrecher war er, der aus einfachsten Verhältnissen stammt, bekannt, geachtet und gefürchtet. Sein Aufstieg innerhalb des Militärs schien unaufhaltsam, bald schon befehligte er als Lieutenant zehn Sergents und deren Einheiten.
Eine Hochzeit mit der Tochter eines reichen Tuchhändlers stand an, als diese ihn zugunsten ihres gesellschaftlichen Aufstiegs abservierte. Er wurde seines Rangs enthoben und als Sergent in die Provinz versetzt.

Desillusioniert und verbittert will er hier, abseits der Intrigen der Reichen und Mächtigen, eigentlich nur seinen Dienst versehen. Dem chaotischen Haufen von Verlierern, das ihm untersteht, Ordnung beibringen. Dass er sich gleich zu Beginn seines Dienstes mit einer Heilerin anlegt und sie als Hexe verunglimpft und verfolgt, hat Folgen.

Als sich die Toten mittels eines alten, lang verschollenen Relikts aus ihren Gräbern erheben, sich Assassinen in der Gegend tummeln und der dunkle Gott eine Totgeburt erwählt, beginnt der Kampf. Den Draugr und den finsteren Plänen weiterer alter Gegner gilt es, schlagkräftig entgegenzutreten.

Zwei starke, gegensätzliche Protagonisten..

Katharina V. Haderer legt in ihrer ersten Veröffentlichung für einen großen Publikumsverlag ein faszinierendes Schmökergarn vor. Der Plot bewegt sich zwischen Dark- und Grim- Fantasy à la Joe Abercrombie, inkludiert Zombies in sein archaisches Ambiente, und erzählt uns die Geschichte zweier Protagonisten.

Der Eine, ein Soldat voller Ehrbegriff, der mühsam die Ränge empor kletterte und dem das Schicksal in Form eines neidischen Vorgesetzten übel mitgespielte. Die Andere, eine Totgeburt, die am Leben blieb. Ihr Vater, ein Alchemist, nahm sie nie an oder schenkte ihr auch nur ein Fünkchen Wärme. Beide sind durch ihre jeweilige Historie gezeichnet und geprägt. Schon beim ersten Aufeinandertreffen kracht es.

Was folgt, ist eine immer wieder überraschende Wendungen nehmende Jagd nach – ja, nach was eigentlich?

Zejn jagt die Hexe Mirage, nicht ahnend, dass diese dem mächtigen und einflussreichen Geschlecht eines Alchemisten angehört. Mirage selbst ist auf der Flucht vor ihrem Vater und dem Leben, das sie als Alchemistin erwartet. Vielleicht auch vor der Verantwortung und der drohenden, vorherbestimmten Zukunft in der Hauptstadt.

..bestehen nur gemeinsam

Sie reiben gegeneinander. Und doch haben sie nur gemeinsam eine Aussicht, das drohende Unheil aufzuhalten. Die Animosität, die vielen, nach und nach gelüfteten Geheimnisse um ihre jeweiligen Hintergründe tragen viel zur Faszination der beiden Figuren bei. Neben diesen Beiden hat die Autorin auch ihre Nebenrollen mit Figuren besetzt, die Ecken und Kanten haben. Auch diese Akteure agieren glaubwürdig und folgerichtig, sie treiben dazu den Plot voran. Situationskomik reiht sich hier an wahrhaft gruselige Szenen und es gibt jede Menge Auseinandersetzungen. Sowohl die Fans der wandelnden Toten, als auch Magieanhänger kommen auf ihre Kosten. Dazu gesellt sich eine interessant aufgezogene Machtpyramide in Tradea. Das Militär als schlagender Arm des Herrschers auf der einen Seite, die reichen Händler und die Adeligen auf der anderen. Die in ihren Auffassungen konservativen Magier, die Alchemisten, die Diebesbanden und die weiblichen Hexenrebellinnen am Rande der Gesellschaft bilden eine ebenso brisante wie explosive Mischung.

Sprachlich überraschend versiert verfasst, wartet mit „Das Schwert der Totengöttin“ ein faszinierender Auftakt einer Trilogie auf die Leser. Er verdient ihre Aufmerksamkeit und erweckt Neugier auf die Fortsetzung(en) ab Februar 2020.

DANKE an Gastredakteur Carsten Kuhr für die aufschlussreiche Rezension

 

Das Schwert der Totengöttin
Black Alchemy Trilogie, Band 1
Katharina V. Haderer
Fantasy
Knaur Verlag
Juni 2019
381

Funtastik-Faktor: 83

2 Gedanken zu „Das Schwert der Totengöttin – Katharina V. Haderer

  1. Hallo und guten Tag,

    interessante Mischung der Figuren und ihrer Befindlichkeiten deshalb herzlichen Dank an Carsten Kuhr für die verfasste Rezi.
    Gerne für die WuLi gemerkt…LG..Karin..

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