Der Beginn (Die Meisterin 1) – Markus Heitz

Ein Epochen umspannende Jagd beginnt

Der Beginn (Die Meisterin 1) © Knaur Verlag

„Willkommen in der Messestadt Leipzig“

Dieser Gruß stand schon vor der Wende und steht noch immer am Ortseingang der blühenden Metropole an der weißen Elster. Hier wurde eine Frau sesshaft, die Zeit ihres Lebens Deutschland bereiste und weiß, wo es schön ist. Die Rede ist von Geneve Cornelius, ihres Zeichens die Tochter eines öffentlich bestellten Henkers. Sie ist Heilerin und, Dank eines geheimnisvollen Tranks, unsterblich.

Sie trennte sich von ihrer Familie. Denn sie wollte weder in die Vendetta mit der italienischstämmigen Familie Bugatti, noch in die Zwiste der Anderswelt verwickelt werden. Ihre Künste in der Naturmedizin stellt sie allen zur Verfügung, die an ihre Tür klopfen, unabhängig von Stand und Ansehen. In die Auseinandersetzungen zwischen Vampiren, Werwölfen und fernöstlichen Dämonen, die neu in der Stadt sind, mischt sie sich ganz bewusst nicht ein.

Doch ein Schicksalsschlag zwingt sie ihre Haltung zu überdenken und ihre Neutralität aufzugeben. Unbekannte haben ihren Bruder in London umgebracht, kurz darauf ereilt ihre Mutter dasselbe Schicksal. Beiden wurde mit einem Henkerschwert der Kopf abgeschlagen. Die an den Leichen hinterlassenen rituellen Brandwunden weisen auf den Bugatti-Clan als Täter hin.

In London angekommen, macht Geneve die Bekanntschaft von Alessandro Bugatti, den letzten Spross des verfeindeten Henkergeschlechts. Zusammen begeben sie sich auf die Suche nach dem wahren Täter. Und stoßen auf eine Bedrohung, die die Erde, wie wir sie kennen, vernichten könnte. Denn ein gefallener Engel, ein Dämon aus den tiefsten Tiefen der Hölle, regt sich und seine Jünger planen die Übernahme der Macht auf Erden.

Spannung pur – Abstriche bei Schauplätzen und Charakteren

Ein neues Werk von Markus Heitz liegt in den Buchläden aus, eine Freude für den geplagten Handel und die interessierte Leserschaft zugleich. Beide Parteien wissen, dass Lesestoff von Heitz immer eines verspricht – Spannung pur.

Mit „Die Meisterin-Der Beginn“ erwartet den Leser der Auftakt einer Trilogie, die Heitz bereits als Hörbuch vorgelegte. Wie gewohnt erscheinen seine phantastischen Thriller, die zumeist in der Jetztzeit angesiedelt sind, beim Knaur Verlag. Während Piper die eher klassischen Fantasy-Abenteuer veröffentlicht.

In dem vorliegenden Buch geht der Autor zunächst ungewöhnliche und neue Wege, was die Erzählweise betrifft. Wahrscheinlich hat er vom ursprünglichen Hörbuchformat übernommen, dass eine Erzählerin die Geschehnisse aus dem Grab heraus kommentiert. In erster Linie streut sie Hintergrundwissen um die historische Geschichte der Henker ein. Hier kommt dem Autor zugute, dass er als studierter Historiker etwas von Recherche versteht. Im Vorwort berichtet er, dass er schon lange mit einem entsprechenden Projekt schwanger ging. So trug er über die Zeit viel Wissenswertes zusammen, was er hier en passent zur Verfügung stellt. Allerdings unterbrechen diese Einschübe den Lesefluss immer wieder nicht unerheblich.

Daneben hat Heitz seine Handlung in zwei Zeitebenen unterteilt. Zum einen erfahren wir die Hintergründe des Zwists zwischen den beiden Henkerfamilien. Wir begleiten Geneve in ihrer Jugend und werden Zeugen der Arbeit ihrer Mutter und ihres Bruders. Begegnungen mit der römischen Inquisition, die sich der denunzierten oder echten Hexen annimmt, gehören zu der Zeit zum Alltag. Geneve versucht allen, ob schuldig oder unschuldig, das Leiden zu erleichtern und gerät so selbst unter Verdacht.

Der dominantere Handlungsstrang in der Jetztzeit beschäftigt sich mit der Suche nach dem Mörder und dem anschließenden Kampf gegen die Schergen des Dämons. Dafür dient zunächst London und später New Orleans als Bühne. Allerdings nutzt der Autor diese kaum. Beide Ortsbeschreibungen bleiben auf das allgemein bekannte beschränkt, ohne dass hier das Flair der Städte am Mississippi Delta oder an der Themse herüberkommt. Heitz konzentriert sich darauf, seinen Plot mit jeder Menge Wendungen voranzutreiben. Die Haupthandlung rast abwechslungsreich und mit jeder Menge Dramatik und Gewalt angereichert voran. Die auftretenden Figuren bleiben jedoch recht blass. Insbesondere bei den Antagonisten bedient sich der Autor an gängigen Schemata.

So ist „Die Meisterin-Der Beginn“ einmal mehr ein Roman, der ganz auf den (Spannungs)Punkt geschrieben ist. Als Bonus kommen die historischen Einschübe hinzu, trotzdem sie den Lesesog stören. Die Fans der Heitz´schen Phantastik-Thriller werden diesen Auftaktband sicherlich feiern und der für Herbst 2020 eingeplanten Fortsetzung entgegenfiebern.

Carsten Kuhr

Der Beginn
Die Meisterin, Band 1
Markus Heitz
Fantasy
Knaur Verlag
März 2020
469

Funtastik-Faktor: 74

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