Der letzte Admiral (Metropole 7) – Dirk van den Boom

Auf der Jagd nach einem Mythos

Der letzte Admiral © Cross Cult

Vor gut 200 Jahren zerbrach die Union. Als die Schiffe des Hive auf der Erde und ihren Kolonien landeten, ahnte man noch nicht, dass der Hive nicht besiegt werden kann. Als die dreckigen Bomben fielen, war es dem Hive egal. Die Defos (massige, deformierte Menschen), die nach dem atomaren Desaster geboren wurden, bevölkern heute noch die Straßen der wenigen verbliebenen Städte. In einer Welt, in der die Menschen in Elend und ohne Hoffnung auf Besserung leben, dahinvegetieren ist sicherlich der passendere Begriff, treffen wir auf fünf Personen, die das Schicksal und ihre Abstammung zusammenführt.

Eine Hybride, eine begnadete und gefeierte Sängerin, ein ins Exil gesandter Revolutionär, der ehemalige Wachtmeister der Metropole, ein Springer, der auf einem Triebwurm Sendungen ausliefert und ein Defo finden einander, um einem Mythos nachzujagen. Und der dreht sich um einen verschollenen Helden. Während der Invasion verließ der letzte Admiral der Union das Hauptquartier und zog sich in All zurück. Dort wollte er an einer wirksamen Waffe gegen den Hive forschen. Man hörte jedoch nie wieder etwas von dem Militäroffizier.

Nun wollen sich unsere Abenteurer auf die Suche nach diesem Rückzugsort machen. Allein ins All zu kommen, ist eine fast unmögliche Herausforderung.  Denn dazu benötigen sie ein Sporenschiff des Hive. Und nicht jeder Einwohner der Metropole 7 ist davon begeistert, den etablierten Status Quo zu stören. So übel der auch ist.

Ein Multitalent am Werk

Man muss den Hut ziehen vor dem Fleiß und der Disziplin des Autors Dirk van den Boom. Jahr für Jahr erscheinen von ihm mindestens drei Romane. Dazu kommen oftmals noch kürzere Bücher in der von ihm initiierten Serie um die Rettungskreuzer Ikarus. Neben seinen Alternativ-Welt Reihen (Kaiserkreuzer) und den Military-SF Trilogien (Tentakel) legte er bereits auch SF-Krimis und Fantasy-Titel in seinem Hausverlag Atlantis vor. Bei Cross-Cult konnte er bereits zwei SF-Trilogien erfolgreich an den Start bringen. Für den ersten „Die Welten der Skiir“ Band „Prinzipat“ erhielt Dirk van den Boom den Deutschen Science Fiction Preis.

Nach Ausflügen in ferne Welten des Universums in den „Scythe„-Romanen, berichtet er uns vorliegend wieder einmal von einer Invasion der Erde. Allerdings sind die Zustände auf Terra ganz andere als in Skiir. Statt paradiesischer Lebensumstände erwarten uns Not, Elend und Gewalt. Es ist dreckig. Mutanten und technisch aufgerüstete Menschen bevölkern die heruntergekommenen Straßen, die mehr Matschpfaden gleichen. Sie bewohnen abbruchreife Gebäude und ertragen das Elend oft nur durch Drogenkonsum.

Die Atmosphäre in der Metropole 7 ist also eine vollkommen andere, als an van den Booms bisherigen Handlungsorten. Ein cyberpunkiges Flair herrscht vor. Dazu gesellen sich Invasoren, deren Handeln niemand logisch zu erklären weiß, schon weil mit ihnen keinerlei Kommunikation möglich ist. In diesem Elend, in dem ein Jeder sein Päckchen zu tragen hat, jagen wir mit unseren Erzählern einer vagen Hoffnung hinterher. Und schon der Anfang erweist sich als schwierig. Zu viele Menschen stellen sich dem Vorhaben aus egoistischen Motiven in den Weg. Dieser Plot und die Bühne, auf die der Autor seine Figuren arrangiert, wirken auf den Leser interessant und in sich überzeugend.

Zwar drückt sich insbesondere die Hybrid-Protagonistin so manches Mal ein wenig zu salopp für ihre Rolle aus. Und auch sonst sollte man stilistisch keine Feinheiten erwarten. Trotzdem fesselt der Text aufgrund der geschilderten Geheimnisse, Fährnisse und Entwicklungen. Hoffentlich geht es im nächsten Band genau so spannend weiter.

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Carsten Kuhr

Der letzte Admiral
Metropole 7, Band 1
Dirk van den Boom
Science-Fiction
Cross Cult
Oktober 2019
397

Funtastik-Faktor: 74

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