Die Fantasywoche vom 6. – 12. Februar 2017

© Marie Graßhoff für Fantasywoche
© Marie Graßhoff für Fantasywoche

Live-Lesungen im Netz

Für die Liebhaber Phantastischer Literatur ist das Angebot an Lesungen oft mager. In Köln und Umgebung wird der Fan bei einer Reihe von Conventions wie RPC, MagicCon, FedCon im Lesungsprogramm fündig, doch im Angebot des zwei wöchigen Literaturfests LitCologne fehlen Lesungen mit Phantastik-Autoren meistens. Was kann man tun? Einfach die Fantasywoche im Internet besuchen. In diesem Jahr ist sie leider vorbei, doch im Februar 2018 wird es eine weitere Woche voller Fantasy-Lesungen im Netz geben .

Organisiert wurde die Fantasywoche von den Autorinnen Emily Thompson und Christin Burger in Kooperation mit der PR-Agentur Mainwunder.  Sie konnten 20 Autoren für das einwöchige Event gewinnen, zahlreiche Blogs, die begleitende Artikel verfassten und ein dreiköpfiges Moderatorenteam. Lea von Liberiarium, Philip von Book-Walk und Sanne von Papierplanet präsentierten die Live-Lesungen auf YouTube. Zwischen den Lesungen hatten die Moderatoren und Zuschauer Gelegenheit, den Autoren ein wenig auf den Zahn zu fühlen. Zudem konnte die Besucher an Challenges und Gewinnspielen teilnehmen. Man musste sich lediglich auf der Webseite Fantasywoche.de ein Ticket sichern und in der entsprechenden Facebook Gruppe anmelden.

Meine Arbeitswoche und ließ mir leider nur sehr bedingt Zeit, den Lesungen zu lauschen. Doch die für mich interessantesten Events konnte ich miterleben und stelle sie hier vor.

Bernhard Hennen und Robert Corvus lasen aus „Die Phileasson-Saga“ Teil 2 „Die Wölfin“ (Heyne, ET 12.Dezember 2016)

Moderation: Philip

Die Phileasson Saga - Die Woelfin von Bernhard Hennen und Robert Corvus © Heyne
Die Wölfin © Heyne

Zum Einstieg bat Philip die beiden Autoren zu erzählen, wie sie zur Phantastik gekommen sind und warum sie die Fantasy-Reihe „Die Phileasson-Saga“ gemeinsam schreiben.

Bernhard Hennen ist ganz klassisch durch J.R.R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“ zur Fantasy gekommen und Robert Corvus durch „Conan-der Barbar“ von Robert E. Howard. Beide haben viel Zeit mit Rollenspiel verbracht, insbesondere mit dem Pen& Paper Abenteuer „Das schwarze Auge“. Und das führte sie schließlich auch zu der Buchreihe „Die Phileasson-Saga“. Einer der Erfinder von DSA, Werner Fuchs, hat die beiden Autoren, die sich vor dem Projekt nicht kannten, miteinander verkuppelt. Als Grundlage für die Reihe dienen die Anfang 2000 erschienenen gleichnamigen Rollenspiel-Bücher von Bernhard Hennen. Inzwischen sind die beiden Autoren ein eingespieltes Team und Freunde, was man im Gespräch und in der Lesung deutlich mitbekam. Für die Buchreihe schreibt jeder aus der Sichtweise seiner Charaktere, Bernhard Hennen zum Beispiel aus der von Beorn, dem Blender und Robert Corvus dessen Gegenpart Asleif Phileasson. Ungewöhnlich ist, dass die Autoren bei der Covergestaltung ein Mitspracherecht haben, die Motive werden nach ihren Ideen von einem Künstler aus Istanbul umgesetzt. Für die Lesung in der Fantasy-Woche hatten sich die Autoren eine wahrhaft dramatische und traurige Szene zwischen dem Elf Salarin, dem Legionär Praioslob und der Tänzerin Shulinai zur Lesung ausgesucht. Einige der Zuhörer haben bestimmt Taschentücher gebraucht.

Ju Honisch las aus ihrem noch nicht erschienen Roman „Seelenspalter“ (Droemer-Knaur, ET 1. März 2017) vor, Lea und Philip moderierten.

Seelenspalter - Ju Honisch © Droemer-Knaur
Seelenspalter © Droemer-Knaur

Die Autorin Ju Honisch war nur zu hören, nicht zu sehen, was jedoch die Lesung kaum beeinträchtigte.  Sie feierte auf der Fantasywoche die Lesungspremiere ihres neuen Romans „Seelenspalter“, noch vor dem Erscheinungstermin am 1. März 2017. Auch Ju Honisch erzählte zunächst von ihrem Anglistik und Geschichtsstudium, sie wollte einmal Lehrerin werden. Heute arbeitet sie in der Verlagsbranche. Ihren ersten Roman hat sie mit 13 Jahren geschrieben und seitdem nicht mehr aufgehört, phantastische Geschichten zu ersinnen.  Aus ihrer Feder stammen auch Gedichte und Lieder.  „Seelenspalter“ ist wie alle ihre Bücher Fantasy für Erwachsene und ein Brikett von über 800 Seiten. Ihre  Lesepassage ging direkt in medias res.

Im Mittelpunkt steht eine Killerin. Während dieser Frau die Vergewaltigung durch vier Männer droht, lässt sie uns an der Gedankenwelt der zwei Personen teilhaben, die sich in ihrem Geist befinden.  Maleni ist eine harmlose Frau, die vor einem Massaker zum Assasinenorden der Xyi  geflohen ist. Dort entwickelte sich ein Teil ihrer Persönlichkeit zu Taryah, der kaltblütigen Mörderin. Selbst in dieser ausweglosen Situation  sind sich beide nicht einig und ihr Schicksal scheint besiegelt.

Die Autorin las mit akzentuierter Theaterstimme die äußerst spannende Szene  und die gehetzten Gedanken der Protagonistin. Die anschließenden Fragen der Zuhörer bezogen sich überwiegend auf den Roman und die Autorin erläuterte weitere Details zu Taryah/ Maleni. Die Protagonistin ist Heilkundige und Giftmörderin zugleich, je nach Bedarf. Ob es in der Geschichte auch Liebesszenen gäbe, wurde gefragt und das konnte Ju Honisch bestätigen. Ein Mann mit blauen Augen sorgt für emotionale Verwicklungen.

T.S Orgel las aus dem zweiten Teil der „Blausteinkriege“ –„Sturm aus dem Süden“ (Heyne, ET  11. Oktober 2016)

Moderation: Philip

Die Blausteinkriege 2 - Sturm aus dem Süden von TS Orgel
Sturm aus dem Süden © Heyne

Philip stellte Tom Orgel, der hier stellvertretend für T.S. Orgel ohne seinen Bruder Stephan antrat, näher vor. Er wollte von Tom wissen, ob der denn als Grafiker von Beruf Einfluss auf die Covergestaltung seiner Bücher nehmen kann, was Tom verneinte. Die Antwort auf die Frage, ob er die Cover der Blausteinkriege mag, erschien etwas heikel. Tom erzählte, dass er sich ursprünglich ein anderes Cover vorgestellt hätte. Alle drei Cover als Einheit, (das zum noch nicht erschienenen finalen Band liegt Tom auch schon vor) gefallen ihm jetzt aber gut.

Gefragt nach der gemeinsamen Arbeit zweier Autoren an einem Buch erklärte Tom, dass jeder einen Bereich und bestimmte Protagonisten erhält und erst einmal selbstständig schreibt. Vorab festgelegt wird der Start der Handlung, einige Zwischenstationen und Meilensteine und das Ende. Die Idee zur Reihe der „Blausteinkriege“ beruht auf einem alten Romankonzept, das zur Veröffentlichung vorgesehen war, aber der „Orks vs Zwerge“ Trilogie weichen musste. Als man bei Heyne danach eine Fantasy-Reihe ohne Fantasy-Rassen publizieren wollte, entstanden aus dieser Vorlage „Die Blausteinkriege“.

Tom las eine Szene aus „Sturm aus dem Süden“ mit den Protagonisten Sara und Thoren.  Thoren ist der Berater der Kaiserinmutter des Kaiserreichs Berun, er hat das Straßenmädchen Sara den Fängen des Ganovenkönigs Feyst Dreiauge entrissen. Saras Fähigkeit, sich unwahrnehmbar zu machen, ist am Kaiserhof nützlich. Nun hofft sie im Gegenzug, dass Thoren ihr hilft, eine alte Rechnung mit Dreiauge zu begleichen.

Als zweite Szene verlas Tom einen Dialog mit dem Auftragskiller Messer, der sich mit einer Gruppe Soldaten in einem alten Kloster versteckt. Der Flammenschwertritter Cunrat ad Koredin zieht schließlich a lá Arthus ein altes Schwert aus einem Steinsockel.

Philip fragte nach Toms Lieblingsfiguren in den „Blausteinkriegen“ und Tom erläuterte, dass es eigentlich Danil und Marten hätten sein sollen. Doch der Auftragskiller Messer, der eigentlich nur für eine Szene geplant war, sei einfach im Buch verblieben und habe sich zur Lieblingsfigur gemausert. Die zweite Lieblingsfigur ist der Kriegsknecht Ness, der noch aus dem alten Manuskript stammt.  Gefragt nach der Inspiration für den magischen Blaustein erklärte Tom, dass es im ursprünglichen Manuskript um einen sehr seltenen Rohstoff ging.  Bernstein wurde einst als Brennstoff verwendet und blauen Bernstein gibt es nur an drei Orten auf der Welt.  Zu der Idee gesellten sich einige Bilder aus „Breaking Bad“ und so entstand das Konzept einer Droge, die magische Begabung verstärkt.  Zum Schluss kündigte Tom den finalen Band der Bernsteinkriege für Oktober 2017 an.

Ich kann hier natürlich nur einen kleinen Ausschnitt von dem wiedergeben, was in der Fantasywoche  alles passiert ist. Viele tolle Autoren bleiben hier unerwähnt, ihr findet sie vollständig im Programm der Fantasywoche 2017. Schaut Euch diese Videos und die mit den anderen Autoren an, ihr findet sie unter dem Stichwort Fantasywoche auf Youtube. Und seid im nächsten Jahr mit dabei.

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