Sternenwächter – Daniela Knor

Götter, Elben und Magie

Sternenwächter © Piper
Sternenwächter © Piper

„Sternenwächter“ ist die Fortsetzung der „Elbensang“-Serie, die mit „Nachtreiter“ ihren Anfang nahm. Obgleich diese beiden Romane begeistert vom Lesepublikum und von den Kritikern angenommen wurden, waren die Verkaufszahlen dem Piper-Verlag wohl nicht hoch genug, um auch das Finale herauszubringen. Bleibt zu hoffen, dass Daniela Knor, wie angekündigt, wirklich noch Zeit und Muße dafür findet, diese innovative Fantasy-Reihe zu vollenden.

Vom Held zum Besessenen

Einer der Helden, der die Welt von dem Dämon, der in Gestalt des Stammesführers Ertann Unheil herauf beschwor, befreite, droht selbst zu einem Werkzeug des Bösen zu werden. Regin, nach der Heirat mit Beveré der designierte Thronfolger, unterliegt zunehmend dem Einfluss des verstorbenen Hohepriesters Tazlan. Wieder bittet er Arion um Hilfe. Dessen Schwester Sava, inzwischen eine Priesterin, rät ihm, nach den Kindern der Götter zu suchen. Gemeinsam begeben sie sich auf den Pfad der Schwäne. Und sind nicht die einzigen, die dort auf Antworten hoffen.

Vom Geächteten zum Heilbringer?

Phykadon ist in einer verzweifelten Lage, denn die abgezogene Dunkelheit hat unfruchtbare Erde hinterlassen. Dem Helden Grachann droht eine Verurteilung zum Tod. Seine Stammesführer sehen in ihm nicht den Dämonenbekämpfer, sondern einen Verräter. Die Weltenwanderin des Stammes traf in der Geisterwelt die Elbin Epana. Von ihrem Volk erhofft sie sich Hilfe und schickt den geächteten Krieger auf die Suche nach ihm. In den Bergregionen ist Grachann ausgerechnet auf die Führung der Halbdämonin Anidim angewiesen. Eine seltsame Verwandlung geht in ihm vor. Dieselben Zeichen finden sich auch auf den Leichen eines Volkes im hohen Norden.

Mehr als Spielfiguren in einem Abenteuer

Daniela Knor beweist auch in „Sternenwächter“ das sie keine Figuren für ein Spiel, sondern individuelle Persönlichkeiten kreiert hat. Selten begegnet man so vielen Charakteren, die tiefgreifende Entwicklungen durchlaufen und ihrer selbst dennoch treu bleiben. Es macht Spaß, mitzuerleben, wie der Krieger der Phykadonier seinen Stolz überwindet, die Reise antritt und sich mit der Halbdämonin arrangieren muss, einem Wesen, das in seiner Welt zu den schlimmsten Feinden gezählt wird. Auch der so abgeklärt wirkende Ritter Arion, beginnt, seine Erziehung zu hinterfragen und taucht in Mysterien ein, die sich weit außerhalb seines bisherigen Horizonts befinden. Die Autorin erzählt ihre Geschichte wieder in kurzen Kapiteln aus der Sicht der Protagonisten und führt den Leser so ganz nah an ihre Figuren heran. Man spürt die Ängste und Sehnsüchte, ihren Mut und ihre Schwächen.

Wieder befinden sich die „Nachtreiter“ in unterschiedlichen Questen, die sie zum selben Ziel führen. Doch es gilt zunächst nicht, den Feind zu bekämpfen, sondern in seine Geheimnisse vorzudringen. Hinter jeder Ecke scheinen Dämonen zu lauern. Die Begegnungen mit unbekannten Wesen gleichen oft einem Albtraum, dem sich unsere Helden am Ende doch mit dem Schwert in der Hand stellen müssen.

Daniela Knor verknüpft das mitreißende Geschehen geschickt mit der Mythologie verschiedener Kulturen. Gedanken und Gespräche erlauben den einen oder anderen Blick auf eine komplexere Rahmenhandlung, einem Konflikt, der lange vor der aktuellen Handlung aufbrach. Der Leser würde sich noch enger mit dem Schicksal der „Nachtreiter“ verbunden fühlen, wenn die Autorin ihm etwas mehr Einsicht in die Hintergründe gegönnt hätte. Streckenweise wirkt die Geschichte episodenhaft und verliert sich in Andeutungen, die wenig Zusammenhang erkennen lassen. Was hat es denn nun mit dem geheimnisvollen Hund auf sich, der schon in „Nachtreiter“ nicht von Arions Seite wich? Und woher kommt der neue Feind, der so plötzlich die Szene betritt?

Insgesamt ist „Sternenwächter“ eine spannende und atmosphärische Fortsetzung des ersten Bandes „Nachtreiter“. Das Buch funktioniert sogar als eigenständiger Roman, da immer wieder das vorherige Geschehen reflektiert wird. Daniela Knor setzt mit originellen Ideen und einem lebendigem Stil erfrischende Akzente in der deutschen Fantasy-Literatur.

Diese Rezension von mir, Eva Bergschneider, erschien bereits auf www.phantastik-couch.de

Sternenwächter
Elbensang-Reihe
Daniela Knor
Fantasy
Piper
2009
423

Funtastik-Faktor: 82

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