Drachenblut-Das Erbe der Samurai – Daniela Knor

Urban Fantasy trifft Japanische Mythologie

Drachenblut © Amrûn-Verlag
Drachenblut © Amrûn-Verlag

Takeru hat gerade sein Abitur geschafft und möchte die Sommerferien mit seiner neuen Freundin genießen. Doch die zieht es ohne ihn nach Amerika und so packt auch Takeru das Reisefieber. Warum sollte er nicht einmal zu seinen Wurzeln zurückkehren, nach Japan? Bei Takerus Adoptiveltern stößt der Vorschlag auf wenig Begeisterung, sie halten die Reise für zu gefährlich. Aber heißt es nicht, Japan sei eines der sichersten Länder der Welt? Schließlich erfährt Takeru, dass seine Eltern aus Japan mitnichten bei einem Autounfall ihr Leben lassen mussten, sondern ermordet wurden. Er selbst wurde nach Deutschland in Sicherheit gebracht. Verursacht also ein frühkindliches Trauma die verstörenden Träume, die ihn nachts heimsuchen?

Die Neugier überwiegt die Bedenken und so reist Takeru an seinen Geburtsort, auf die südliche japanische Insel Kyushu in die Stadt Kagoshima. Und erfährt hier, dass seine Eltern nicht nur einem verhängnisvollen Mythos geopfert wurden, sondern dass dieser auch nach dreizehn Jahren erschreckend real und lebendig ist. Takerus Aufgabe ist es anscheinend, Verbündete zu finden, das Geheimnis um den Tod seines Vaters zu lüften und sich den Gegnern seiner Familie zu stellen. Doch wer ist Freund und wer Feind?  Wenn sich Menschen zu Monstern verwandeln und auch noch eine geheimnisvolle Schwertkämpferin Takerus Geist verwirrt, ist das nicht so leicht herauszufinden.

Queste auf Japanisch

Japans widersprüchliche Kultur zwischen Mythologie und Technologie übt nicht nur auf Anime- und Manga-Fans Faszination aus. Als Schauplatz für Urban Fantasy Literatur scheint das Land wie geschaffen und Autoren wie Haruki Murakami (1Q84) und Lian Hearn (Der Clan der Otori) haben phantastische Geschichten in Japan angesiedelt. Die Geschichte „Drachenblut – Das Erbe der Samurai“ schrieb die deutsche Autorin Daniela Knor und der recht neue Amrûn-Verlag hat sie als Fantasy Jugend-Roman herausgebracht.

Der neunzehnjährige Takeru ist der Hauptcharakter der Geschichte und ein junger Mann, wie viele andere. Seinen Geburtsort Japan mit seinen kulturellen Besonderheiten muss Takeru neu entdecken, da er im Alter von sechs Jahren nach Deutschland gebracht wurde und kaum Erinnerungen an seine frühe Kindheit hat. Man nimmt ihm ab, wie schwer es ihm fällt, die richtigen Umgangsformen und Rituale zu praktizieren, die von ihm, einem gebürtigen Japaner, erwartet werden. Woher Takeru allerdings verständigungssicheres Japanisch und die Grundzüge des Schwertkampfs kann, erschließt sich nicht. In der Einführung der Geschichte deutet nichts darauf hin, dass er das eine oder andere in Deutschland geübt hätte. Im Prolog erfahren wir aber, welche Erinnerungen Takeru aus seiner Kindheit mit sich herumschleppt, die ihn besonders in Japan einholen. Einfühlsam beschreibt die Autorin, wie der junge Mann sich seinem kulturellen Erbe nähert und mit immer phantastischeren Gefahren konfrontiert wird.

Eine schöne Schwertkämpferin steht Takeru als Führerin zur Seite. Ayumi umgibt jedoch ein  Geheimnis, das es schwer macht, die aufkommende Zuneigung zu vertiefen. Jiro macht als loyaler Freund das Trio komplett. Manchmal wirken die Abenteurer angesichts der monströsen Gegner, die ihnen auflauern, übertrieben tapfer, sonst allerdings sympathisch und interessant. Weniger gelungen ist die Charakterisierung ihrer Gegenspieler. Iwakasa, der erklärte Feind bleibt gesichtslos, da er überhaupt nicht in Erscheinung tritt und stets seine dämonischen Schergen vorschickt. Einen weiteren Gegner trifft Takeru schon auf dem Flug nach Japan. Leider erfährt man nicht, warum ihm Hajashi so schnell auf den Fersen ist und auch sonst bleibt dessen Motivation eher fragwürdig. Vielleicht wird dessen Rolle in einem Folgeband klarer.

Mit dreihundert Seiten ist „Drachenblut – Das Erbe der Samurai“ recht kurz geraten und schnell gelesen. Trotzdem das viel passiert und immer wieder aktionsreiche Kämpfe auf die jungen Helden zukommen, hat der Roman so seine Längen. Die Queste, auf der Ayumi und Takeru der Fährte seines Vaters folgen, wirkt recht statisch; wie eine Rallye, an dessen Stationen entweder ein romantisches Intermezzo im Thermalbad oder eben Begegnungen mit Fabelwesen und getarnten Feinden warten. Hier findet wenig Handlungsentwicklung statt, die Ereignisse reihen sich aneinander. Eher zufallsgesteuert erreicht Takeru schließlich sein Ziel. Der spektakuläre finale Kampf und die harten Entscheidungen, die Takeru treffen muss, entschädigen allerdings für den wenig dynamischen Mittelteil.

Daniela Knor hat selbst eine Rucksacktour durch Japan unternommen und Schwertkampf trainiert. Das merkt man dem Roman an, denn die Autorin beschreibt die Schauplätze und Landschaften in und um die Stadt Kagoshima sehr anschaulich. Der Leser erfährt viel über landestypische Besonderheiten wie die Tempel, das Essen und die Lebensart der Japaner zwischen Tradition und Moderne. Auch der Übergang zur phantastischen Welt gelingt mühelos. Daniela Knor erweckt zahlreiche japanische Fabelwesen zum Leben, wie Yokai, Oni oder Kappa. Takerus Abenteuer fügt sich stimmig in den Hintergrund der Legende über den Drachengott Ryūjin ein. Derartige Ausflüge in die japanische Mythologie gibt es mehrere und sie verleihen dem Roman eine authentische, typisch fernöstliche Atmosphäre.

Fazit

„Drachenblut – Das Erbe der Samurai“ ist ein überwiegend spannendes Urban-Fantasy Abenteuer mit viel Japan-Flair. Daniela Knors natürlicher, mitreißender Schreibstil sorgt dafür, dass auch die kulturellen Details nie belehrend wirken und sich stets flüssig lesen lassen.
Der Roman ist, wie in der Altersempfehlung angegeben, für Heranwachsende ab 12 Jahre geeignet. Er erzählt jedoch keine „Coming of Age“ Geschichte, sondern eher eine Art „Fünf Freunde“ Abenteuer, eingebettet in die japanische Märchenwelt. All das macht „Drachenblut“ zu einem Lesevergnügen für junge und jung gebliebenen Fantasy-Fans, die ein Faible für Japan haben.

Drachenblut-Das Erbe der Samurai
Drachenblut Band 1
Daniela Knor
Fantasy
Amrûn-Verlag
August 2015
300

Funtastik-Faktor: 70

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