Vakuum – Phillip P. Peterson

Ein Katastrophenfilm im Buchformat

Vakuum - Phillip P. Peterson © Fischer Tor
Vakuum © Fischer Tor

Zum ersten Mal seit vielen Jahren soll es wieder eine bemannte Mondmission geben. Doch kurz vor dem eigentlichen Start der Mission wird ein außerirdisches Raumschiff aufgespürt, dass sich mit Lichtgeschwindigkeit durchs All bewegt. Gleichzeitig werden merkwürdige Strahlenwerte aus dem All gemessen. Als man auch noch eine Nachricht von dem anderen Schiff empfängt, und eine Physikerin beobachtet, dass Sterne verschwinden, steht etwas Unglaubliches fest: Das All löst sich auf.

Zwei Jahre bleiben der Menschheit, um ein Raumschiff zu bauen, dass sie vor der nahenden Katastrophe in Sicherheit bringt. Ein Wettlauf nicht nur mit der Zeit. Sondern auch gegen den langsam beginnenden Hoffnungsverlust der Menschen, von denen einige zurückbleiben werden.

„Vakuum“ ist ein Katastrophenfilm im Buchformat, dazu ein SF-Werk, basierend auf harten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Und es ist eine Studie des menschlichen Verhaltens angesichts einer unaufhaltsamen Katastrophe.

Eine real existierende Gefahr

Die Gefahr, von der Phillip P. Peterson berichtet, hat er sich nicht einfach ausgedacht. Er beschreibt einen Vakuumzerfall, ein Ereignis aus der Quantenfeldtheorie. Betonen sollte man allerdings, dass die Wahrscheinlichkeit, dass so eine Katastrophe eintritt, äußerst gering ist.

Doch selbst mit diesem Wissen im Hinterkopf liest sich „Vakuum“ gruselig. Der Gedanke, dass da etwas Unaufhaltsames kommt, dessen Herannahen man unmittelbar miterlebt, ohne etwas dagegen unternehmen zu können… Da wird einem schon mulmig. Und der Autor schafft es, dieses Gefühl perfekt in den Roman zu integrieren.

Philip P. Peterson gestaltet diese Bedrohung als eine Herausforderung für die Menschheit. Innerhalb von zwei Jahren muss diese nun ein Raumschiff bauen, das auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigen und diese Geschwindigkeit auf ewig beibehalten kann. Gleichzeitig muss es den Menschen an Board einen Lebensraum bieten. Das liest sich spannend, solange man bereit ist, über einige unstimmige Aspekte hinwegzusehen.

So wird der Gedanke einer internationalen Zusammenarbeit mit dem Argument beiseite gewischt, dass die Koordinierung zwischen den einzelnen Staaten zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Mit der Konsequenz, dass jeder Kontinent sein eigenes Süppchen kocht. Dazu ist die Annahme, dass die Menschen bereits den Plan für ein lichtschnelles Raumschiff in der Schublade haben, und dieses innerhalb von zwei Jahren aus dem Boden stampfen, ebenfalls fragwürdig. Spätestens damit macht der Autor klar, dass „Vakuum“ kein Hard SF-Roman ist, sondern eine Geschichte, die zu Gunsten der Spannung die Wissenschaft vernachlässigt.

Probleme mit den Figuren

Die genannten Aspekte trüben das Lesevergnügen nicht allzu sehr. Als ein an Wissenschaft interessierter Leser stolpert man darüber, jedoch ist dies kein so gravierendes Manko, dass man nicht darüber hinwegsehen könnte. Was allerdings nicht auf die ausbaufähige Zeichnung der Figuren zutrifft.

Phillip P. Peterson hat die Romanhandlung auf zwei Ebenen angesiedelt. Einerseits in der Gegenwart auf der Erde, in der sie von zwei Figuren getragen wird: Astronaut Colin Curtis und die Wissenschaftlerin Susan Boyle. Beide haben ihre Ecken und Kanten. Colin ist ein Womanizer, der mit jeder Frau, die ihm gefällt, schlafen möchte und seine Ehe nur noch zum Schein führt. Susan hingegen ist eine Person mit Bindungsproblemen, die sich nicht auf einen Mann einlassen möchte.

Zu Beginn fällt es schwer, Sympathie für die Figuren zu empfinden. Besonders Colin geht einem mit seinem permanenten Geflirte bald mächtig auf den Keks. Allerdings wandelt er sich im Laufe des Romans, auf Kosten von Susans Persönlichkeit.

Susan wird anfänglich zu sehr durch ihre Bindungsprobleme definiert. Dass sie ebenso eine exzellente Wissenschaftlerin ist, die den Vakuumzerfall als erste entdeckte, gerät in Vergessenheit. Andere Aspekte ihrer Persönlichkeit, wie Fürsorge für ihre hochbetagte Mutter, kommen ebenfalls zu kurz. Sie wird durch Colin immer mehr in den Hintergrund gedrängt und entwickelt sich nicht weiter.

Losgelöst und nahezu ohne Verbindung

Die zweite Storyebene spielt auf einem unbekannten Planeten, wo menschenähnliche Nomaden einem festen Rhythmus folgen. Die Figuren dieser Handlung sind Pala, ihr krebskranker Vater Mikels sowie Toma, ein Lehrling. Auf der Suche nach Heilung für Mikels begeben sie sich auf eine Mission in die verlassene Stadt ihrer Vorväter.

Hier fragt man sich nach dem Sinn des Plots. Zwar werden Verbindungen zu der anderen Handlung nach und nach aufgedeckt. Doch sind die Probleme, mit denen die drei sich herumschlagen müssen, komplett andere, als die von Susan und Colin. Dieser Handlungsfaden wirkt wie ein Fremdkörper und man weiß nicht so recht, was man davon halten soll. Das Geschehen liest sich zwar interessant, doch die Tatsache, dass es vom Rest der Handlung losgelöst erscheint, irritiert jedes Mal aufs Neue.

„Vakuum“ ist durchaus ein spannender Roman. Doch leider hat er so einige Schwächen, die das Lesevergnügen schmälern. Dennoch, wer auf abwechslungsreiche SF-Unterhaltung steht, sollte ruhig einen Blick hinein riskieren.

Götz Piesbergen

Vakuum
Phillip P. Peterson
Science Fiction
Fischer Tor
September 2020
493
Nele Schütz Design
65

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