Universum – Phillip P. Peterson

Ein spannendes Space-Abenteuer, das vom Menschlichen lebt

Universum - Phillip P. Peterson © Fischer Tor
Universum © Fischer Tor

Die Menschheit hat das All erobert und Raumschiffe verbinden die prosperierenden Kolonien. Viele Probleme der Erde scheinen überwunden, allein den Krieg haben die Menschen mit ins All genommen.

In einer verheerenden Auseinandersetzung wurde mittels einer Nova-Bombe die zivile Bevölkerung eines ganzen Planeten ausgelöscht. Mike Warnock war der Pilot, der die Waffe befehlsgemäß abwarf, bevor er nachfolgende Befehle verweigerte. Nun sitzt er buchstäblich zwischen den Stühlen. Für die einen ist er ein Massenmörder, für die anderen ein Befehlsverweigerer.

Nach seiner unehrenhaften Entlassung will auf der Erde niemand mehr etwas mit ihm zu tun haben. Zusammen mit seiner Ehefrau und ihrem kleinen Sohn sieht er nur eine Möglichkeit: auf einen kargen, kalten Planeten auszuwandern und neu anzufangen.

An Bord der Challenger soll es zu der neuen Heimat gehen, doch etwas geht schief. Die Casimir-Blase, die das Raumschiff vor der Zeitdilatation schützt, baut sich am programmierten Ende des Fluges nicht ab. Die Challenger verbleibt im Hyperraum und fliegt immer weiter und weiter.

Die Crew, angeführt von einer psychisch labilen und trinkfreudigen Kommandantin und die Passagiere, versuchen verzweifelt den Antrieb abzuschalten, vergehen doch außerhalb der Challenger jede Minute, die der Flug andauert, Monate …

Spannende Mysterien und Psychogramme gekonnt im Space-Abenteuer vereint

Phillip P. Peterson hat sich als gelernter Ingenieur der Hard Science innerhalb des Science-Fiction Genres verschrieben. Nach Publikationen im selfpublishing erschien bei Fischer TOR mit „Vakuum“ bereits der erste entsprechende Roman im Publikumsverlag. Nun legt er mit „Universum“ ein weiteres, faszinierendes Weltraumabenteuer vor. Zu seinen Vorbildern zählen die Briten Stephen Baxter und Arthur C. Clarke. Und ein an die Werke dieser Autoren erinnerndes Lesefutter bietet er seinem aktuellen Roman an.

Es geht um ein Raumschiff, das im All verloren geht. Natürlich steht der Versuch, dieses aus seiner prekären Lage zu retten, im Zentrum des Plots. Allerdings ist die wirklich gelungene Zeichnung einer Gruppe Menschen, die buchstäblich alles verlieren und unter entsprechenden Ängsten leiden, noch wichtiger für die Geschichte.

Denn es sind eben die Figuren Petersons, die dem Roman sein Gepräge verleihen. Sei es der von Schuldgefühlen geplagte Pilot, der von allen, die ihm begegnen, geschnitten wird. Oder die Kommandantin auf ihrem eigentlich letzten Flug, bevor sie sich ihrer Tochter widmen wollte. Im zwischenmenschlichen Bereich, insbesondere im Umgang mit den Passagieren, offenbart sie massive Defizite. Oder der erste Offizier, der als Gigolo die innere Leere zu bekämpfen sucht. Oder der Ingenieur, der eigentlich an Raumschiffen arbeiten wollte. Dann aber aufgrund seiner Herkunft diesen Traum begraben musste und stattdessen in den Bergbau ging. Sie alle leiden nicht nur verständlicherweise an der Situation, sondern unter persönlichen Problemen. Ihren jeweiligen Ballast schleppten sie bereits zum Antritt der Reise mit an Bord, jedoch lässt das Unglück ihre Dilemmata noch deutlicher zu Tage treten.

Die Kombination aus psychischer Anspannung und Extremsituation sorgt schnell für gruppendynamische Entwicklungen. Es kommt zu Aggressionen zwischen Crew und Passagieren, zu Gruppenbildungen und ausgetragenen Konflikten. Und zu einer immer deutlicheren und greifbaren Verzweiflung angesichts der Tatsache, dass sie alle ihre Heimat, ihre Familien und Freunde auf ewig verloren haben.

Mit ungewöhnlicher atmosphärischer Dichte schilderte Peterson diese Entwicklungen. Der Autor fasziniert uns also nicht nur mit einer packenden Story um den Versuch einer Rettung und der Aufklärung des Mysteriums, das dem Schiff passiert. Sondern auch, sogar hauptsächlich, mit den Schicksalen der ganz unterschiedlichen Menschen an Bord.

Carsten Kuhr

Universum
Phillip P. Peterson
Science Fiction
Fischer Tor
September 2021
442
Nele Schütz Design
86

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