Die Rückkehr der Kriegerin – Susanne Pavlovic

Gute klassische High-Fantasy, die einfach Spaß macht

Die Rückkehr der Kriegerin © Amrûn Verlag
Die Rückkehr der Kriegerin © Amrûn Verlag

Das Gefühl nichts zu verlieren zu haben, bestimmt das Leben der Söldnerin Krona Karagin. Und doch hat sie dem Krieg auf den Südlichen Inseln aus moralischen Gründen den Rücken gekehrt und ist nach Bergen zurückgereist. Um sich über Wasser zu halten, nimmt sie den Auftrag der Erbin des Kaufmanns Markholt an. Jerinas verstorbener Onkel hat das wertvolle Erbe versteckt und ein abenteuerliches Rätsel konstruiert, das es zu lösen gilt. Krona rekrutiert dafür ein Team von Gefährten, einer geheimnisvoller, als der andere. Gemeinsam geht es auf eine Reise voller haarsträubender Überraschungen.

Der Zwerg Thork befindet sich auf einem Rachefeldzug gegen einen Troll, ebenso wie die Sidartha-Prinzessin Lianna. Als die beiden sich treffen, bietet sich Teamarbeit an, doch Zwerge und Sidharti haben nichts als Verachtung füreinander übrig. Doch die Gefahren und Entbehrungen einer Reise durch das Gebirge erzwingen seltsame Bündnisse.

Ein Dämon hat die Abtei eines Zwergen-Ordens auf der Insel der Stürme bis auf die Grundmauern niedergebrannt und ein seltenes Artefakt gestohlen. Die Brüder bitten den Wissenschaftler Nardon den Brandstifter und Dieb zu jagen. Denn das Artefakt verleiht magische Fähigkeiten und kann in den falschen Händen großes Unheil über die Welt bringen.

Auf getrennten Wegen ins Ungewisse findet eine Gruppe Abenteurer zusammen und erkennt, dass sie nur gemeinsam die Welt vor dem immer mächtiger werdenden Feuerdämon retten können.

Was für ein Ensemble!

„Die Rückkehr der Kriegerin“ ist der Auftakt zur „Feuerjäger“ Trilogie von Susanne Pavlovic. In der Fantasy-Inselwelt Abrantes hat die Autorin bereits ihre Bücher „Das Spielmannslied“ und „Der Sternenritter“ angesiedelt. Diese Welt ist eine typische Welt des High-Fantasy Kosmos, mittelalterlich und mit bekannten phantastischen Völkern und Elementen ausgestaltet. Man merkt, dass J.R.R. Tolkien und Tad Williams die Autorin entscheidend prägen.

Die Söldnerin Krona, eine kantige Antiheldin, flucht und trinkt und hat ihr Temperament nicht im Griff  Lange bleibt dem Leser verborgen, warum Krona so ist, wie sie ist. Lianna, die Prinzessin vom fahrenden Volk der Sidarthi, kommt zwar verwöhnt und eingebildet herüber, doch sie wächst darüber hinaus. Nardon, ein Zwerg und Wissenschaftler, wirkt neben seinem sympathischen Freund Lomir etwas steif und langweilig. Doch auch er überrascht mit trockenem Witz und Scharfsinn. Ähnlich wie Thork, der missmutige Zwergenschmied oder Fenrir, der geheimnisvolle Wandler und Waldläufer. Lustige Gesellen, wie Lomir und der pfiffige Zauberer und Dieb Pintel mag der Leser auf Anhieb, doch es sind die Grim & Gritty Charaktere, die sich am meisten weiter entwickeln. Derer bietet “Die Rückkehr der Kriegerin“ so einige und man möchte keine von ihnen  missen.

Eine Queste muss her, oder am besten gleich mehrere

In vielerlei Hinsicht erinnert „Feuerjäger – Die Rückkehr der Kriegerin“ die Osten Ard Saga. Wie Tad Williams schmückt Susanne Pavlovic ihre Kernhandlung mit begleitenden Geschichten und Abenteuern. Der Roman ist nicht, wie viele andere Fantasy-Romane, in viele kurze Kapitel gegliedert. Vielmehr sind sie an die 100 Seiten lang und einige schließen ihren Handlungsstrang ab. Fantasy-Bücher, die mit Elementen aus dem Rollenspiel arbeiten, kommen manchmal nicht wirklich aus dieser Struktur heraus. Die Charakterzeichnung der Protagonisten beschränkt sich auf spezielle Fähigkeiten, die Handlung auf Aufgaben, die es zu lösen gilt. Auch „Die Rückkehr der Kriegerin“ beginnt mit einer klassischen Queste, die einem Rollenspiel entsprungen sein könnte. Im ersten Kapitel „Erbe und Ehre“ treffen sich Figuren unterschiedlicher Völker und stellen sich den Rätseln auf der Suche nach einem Artefakt. Doch schon im nächsten Kapitel „Feuer und Stein“ bildet die Jagd nach dem Troll nur den Hintergrund zu einer Liebesgeschichte, übrigens eine der schwierigsten und somit schönsten, die es in der Fantasy gibt. Ein Zitat vom Spielmann Wolfram von Kürenberg, der Protagonist der ersten beiden Abrantes-Romane, erklärt sehr schön, wie dieses Buch aufgebaut ist:

„Das Merkwürdige an Geschichten: Was man für das Ende der einen halten könnte, ist doch in Wahrheit der Beginn einer anderen.“ [aus „Der Sternenritter“]

Und das ist gut so. Susanne Pavlovic verzichtet darauf, von einem Schauplatz zum anderen zu springen und deswegen vertieft man sich als Leser so richtig in die gerade erzählte Geschichte. An Abwechslung mangelt es dabei nicht. Des Weiteren kommt die Autorin ohne Cliffhänger aus, um Spannung zu erzeugen. Denn diese entwickelt sich aus der Handlung zur Genüge. Diese Erzählstruktur macht das Leseerlebnis überaus angenehm und intensiv. Jede einzelne Geschichte fesselt und man ist gespannt darauf, wie sich das Geschehen auf die weitere Handlung auswirken wird. Am Ende ist jedes Ereignis, jede Erfahrung ein wichtiger Teil eines größeren Abenteuers.
Im Kapitel „Schnee und Schatten“ überwintern die Abenteurer und ganz natürlich fügt sich eine Pause in die Handlung ein. Hier nimmt sich die Autorin die Zeit, ihre Figuren eingehender zu beschreiben und enthüllt eine Überraschung, die Kronas sperrigem Charakter verständlicher macht.

Ein jeder Jeck spricht anders

Susanne Pavlovic hat ihre Protagonisten auch sprachlich voneinander abgegrenzt und jeder redet in einer Mundart, die seinem Wesen entspricht. So lesen wir von Krona kreative Flüche, während Pintel, der kleinwüchsige Zauberer sich manchmal einer kindlich naiven Sprache bedient, aber auch wissenschaftlich geschwollen reden kann. Lianna lässt auch sprachlich die Prinzessin heraushängen und Wandler Fenrir mit sarkastischer Zunge den Misanthropen. Die Zwerge hätten sprachlich etwas markanter auftreten dürfen, da sie ja eigentlich eine eigene Sprache haben, die der der alten Zauberer ähnelt. Allein Nardon, der Dimensiontheoretiker macht gelegentlich von ihr Gebrauch. Vielleicht erfahren wir darüber in den Folgebänden noch mehr. Manche Formulierung tritt zwar gehäuft auf, doch überwiegend ist der Sprachstil flüssig und variationsreich, vielleicht ein bisschen zu modern für ein mittelalterliches Setting.

Fazit:

„Feuerjäger – Die Rückkehr der Kriegerin“ ist ein Buch, das ich Freunden der epischen Fantasy wärmstens empfehlen kann. Die Erzählstruktur in großzügig angelegten, abgeschlossenen Kapiteln kommt diesem Genre entgegen. Das Lesegefühl hat etwas von Vorfreude auf eine Reise an einen Ort, den man bereits kennt und liebt, doch lange nicht besucht hat. „Die Rückkehr der Kriegerin“ ist ein typischer Serienauftakt, unabhängig voneinander lassen sich die Bücher nicht lesen.
Die Beschreibung der Inselwelt (Bergen, Insel der Stürme, Südliche Inseln)  kommt etwas zu kurz und die Karte zeigt leider nur die Insel Bergen. Eine Übersicht aller Inseln hätte einen besseren Überblick verschafft. Die Autorin hat das Beste aus dem Genre der High Fantasy herausgeholt und für ihre Geschichte genutzt. Das Ergebnis ist ein spannendes episches Abenteuer mit Helden, die sich jeglichem Klischee entziehen und dem Leser sofort ans Herz wachsen. Band zwei der „Feuerjäger“ Serie „Herz aus Stein“ ist bereits erschienen, das Finale „Das Schwert der Königin“ soll im Dezember 2016 erscheinen. „Die Rückkehr der Kriegerin“ ist in diesem Jahr für den „Deutschen Phantastikpreis“ in der Kategorie „Bester deutschsprachiger Roman“ nominiert und ich drücke meine Daumen, das er gewinnt.

Die Rückkehr der Kriegerin
Feuerjäger Band 1
Susanne Pavlovic
Fantasy
Amrûn Verlag
März 2015
648

Funtastik-Faktor: 82

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