Lennart Malmkvist und der ganz und gar wunderliche Gast aus Trindemossen – Lars Simon

Mit Mops, Professor, Keksdosenorakel und Kobold gegen dunkle Magie

Lennart Malmkvist und der ganz und gar wunderliche Gast aus Trindemossen - Lars Simon © dtv-Verlag
Lennart Malmkvist und der ganz und gar wunderliche Gast aus Trindemossen© dtv-Verlag

Das Erbe eines Zauberei-Artikel Ladens in Göteborg hat Lennart Malmkvists gewöhnliches Spießerleben völlig auf den Kopf gestellt. Nun ist er Magierlehrling bei einem sprechenden Mops und auch noch auserwählt, den Dunkelmagier Krähenbein daran zu hindern, erneut die Macht an sich zu reißen. Doch kurz vor Weihnachten hat Lennart erst einmal weltliche Sorgen. Steuerrückzahlungen in astronomischer Höhe stehen an und der Laden ist noch nicht einmal wiedereröffnet. Lennarts Anwalt Cornelius Isaksson, der bereits für den ebenfalls Magie tätigen Vorbesitzer des Ladens tätig war, drängt ihn, Menschen auf einer Liste ausfindig zu machen, die möglicherweise mit Krähenbeins dunklem Zirkel „Tryggvasons Erben“ zu tun hatten. Henrietta Helmström, die Ehefrau des Leiters des Naturkundemuseums Prof. Dr. Titus Hellström, ist eine davon. Lennart und Bölthorn besuchen den Professor und finden einen geistig verwirrten Mann vor, der seine Frau vermisst.

Nachdem Lennart von der Polizei nach der Anzeige des Professors wieder frei gelassen wurde, schleicht er sich heimlich in dessen Wohnung. Des Professors Heim strotzt vor magischen Spuren und offensichtlich wird die Küche regelmäßig von einem Unbekannten verwüstet. Mit Hilfe eines magischen Eintopfrezepts kann Lennart den Übeltäter stellen, einen Kobold namens Svartalf. Der wurde von seiner geliebten Frau, der Fee Vanadia aus ihrem Reich im angrenzenden Wald Trindemossen verbannt.

Was diese Ehekrise mit dem dunklen Magier zu tun hat, was aus Henrietta Hellström geworden ist, was Lennart über seine Beziehungsallergie erfährt, ob er die Steuerschuld begleichen kann und warum am Ende alles noch viel verzwickter ist, davon erzählt Lars Simon im zweiten Teil seiner Lennart und Bölthorn Fantasy-Krimi-Reihe mit dem sperrigen Titel „Lennart Malmkvist und der ganz und gar wunderliche Gast aus Trindemossen“.

An Originalität und Sprachwitz kaum zu toppen

»„Eines kann ich Dir jetzt schon sagen,
Der Zauber geht durch Leib und Magen.
Im Nebel liegt die wahre Gestalt,
Ich bin mir sicher, sie war im Wald.“
[..]
„Zauberspeisen?“ fragte Lennart überrascht.

„Bei Krähenbein und Trindemossen!
Dein Gehör ist wohl nicht das beste.
Nach Rezept koche unverdrossen,
Und stör mich nicht am Wiegenfeste.“
[..]
Du hast… Geburtstag? Heute?“
[S. 120] «

Eine witzige Art zu schreiben und ein überbordender Ideenreichtum zeichnen Lars Simons Bücher aus. Mit „Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen“ hat der Autor eine Fantasy-Krimi Reihe begonnen, die viele gängige und ungewöhnliche Fantasy-Klischees überzeichnet. Bereits im ersten Band führte Lars Simon skurrile Figuren und Elemente, wie den sprechenden Mops Bölthorn, den geheimnisvollen Leierkastenmann, das Keksdosenorakel ein, sowie einen lichten und einen dunklen Zauberer. Sie alle machten aus einem zunächst eher harmlosen, magisch angehauchten Schweden-Krimi eine fast schon düstere Fantasy Geschichte. „Lennart Malmkvist und der ganz und gar wunderliche Gast aus Trindemossen“ knüpft an die Geschichte um die drohende Rückkehr des Schwarzmagiers Olav Tryggvason an. Das ‚normale‘ Leben ist nur noch ein seltener Zaungast, Magie umgibt inzwischen auch diejenigen, die kein entsprechendes Talent haben.

Weniger ist manchmal mehr

Die Dialoge zwischen Lennart, Mops Bölthorn und dem verwirrten Professor Hellström gehören zu den amüsanten Highlights des Romans. Dank Lars Simons feinsinnig humorigem Schreibstil und seinem Händchen für verschrobene Figuren entstehen Wortwechsel, die vor intelligentem Witz und Esprit nur so sprühen. Der Autor wollte vielleicht an Skurrilität noch eins draufsetzen und kreierte weitere Akteure, die dem Figurenkabinett eines Neil Gaiman oder Douglas Adams entsprungen sein könnten: ein fleischversessener Kobold, der von seiner vegetarischen Geliebten verstoßen wird, sowie ein Wächter im Wald mit Nadelstreifenhose, Schirm und Melone.

Die Geschichte dreht sich zunächst um die seltsamen Geschehnisse im Haus Hellström und das Schicksal der Professoren-Ehefrau Henrietta, ehe die Antagonisten Nilsson und Krähenbein die Bühne betreten und Jagd auf die dunklen Pergamente machen.

Leider entgleitet Lars Simon in diesem mit gut 300 Seiten recht kurzem Buch die Verknüpfung Handlungsebenen. Einige der Figuren erscheinen wie schmückendes Beiwerk und bringen die Handlung nicht wirklich voran, darunter Herr Solesson, der Mann im Wald. Ähnliches gilt auch für Geschehnisse, wie das Verschwinden des Keksdosenorakels. Es hat zumindest für die Handlung in diesem Buch keine Relevanz. Dagegen lösen sich viele Probleme wie von Zauberhand, was im begrenzten Rahmen für Fantasy durchaus in Ordnung ist. Dennoch hätten die Protagonisten durch ihre Aktionen etwas mehr zur Auflösung beitragen dürfen. Ich gestehe, ich war zwischendurch vom roten Faden der Geschichte abgehängt und habe mich gefragt, ob ich sie weiterverfolgen soll.

Am Ende beweist Lars Simon Mut, das muss man ihm lassen. Und mehr sollte die Rezensentin wirklich nicht dazu schreiben. Nur so viel: ich werde die Reihe wohl doch weiterlesen.

Eva Bergschneider

Lennart Malmkvist und der ganz und gar..kaufen

Lennart Malmkvist und der ganz und gar wunderliche Gast aus Trindemossen
Lennart malmkvist und Mops Bölthorn Reihe - Band 2
Lars Simon
Fantasy-Krimi
dtv Verlag
November 2017
320

Funtastik-Faktor: 66

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