Die fünf besten in 2018 gelesenen Bücher

Das Jahr 2018 war für mich ein sehr ergiebiges und interessantes Bücherjahr.

Top Five 2018 © Eva Bergschneider
Top Five 2018 © Eva Bergschneider

Ich habe neue Phantastik-Sparten  wie den Afrofuturismus entdeckt. Ich habe ein lange vernachlässigtes Genre erneut zu schätzen gelernt: den Cyberpunk. Und ich habe langjährige Freunde nach fast 30 Jahren wiedergesehen. Und damit wären wir schon beim ersten Top-Five Titel

Die Hexenholzkrone-Teil 2 – Tad Williams, Funtastik-Faktor 85

Tad WilliamsHexenholzkrone Teil 2“ begleitete mich zum Jahreswechsel 2017-2018. Die Fortsetzung der Osten Ard Saga hatte lange Jahre auf sich warten lassen. „Die Hexenholzkrone“ zu lesen,  fühlte sich an wie mit guten Freunden an einen einst geliebten Ort zurückkehren, den Spruch „Ach, wir sind alle älter und reifer geworden.“ auf den Lippen.  Die Nostalgie machte diesen Moment besonders, ein neues Abenteuer versprach den Aufbruch in bisher unbekannte Gefilde von Osten Ard .

Die Hexenholzkrone 2 - Tad Williams © Klett-Cotta
Die Hexenholzkrone 2 © Klett-Cotta

Wertigkeit von Zeit oder Leben aus der Perspektive einer langlebigen Spezies betrachtet, ist ein erhellender Gegenentwurf zu unserer schnelllebigen Gesellschaft. Ähnliches gilt für die Angst eines Volks vor Identitätsverlust und vor der Auslöschung. Während Tolkiens Elben hingenommen haben, dass ihre Zeit in Mittelerde zu Ende ging, wählten die Nornen in Osten Ard einen anderen Weg – und stellen sich nun die Frage, ob es der richtige war. Auch hier sind die Parallelen zu den Themen Migration und Integration – ob gewollt, oder nicht – nachdenkenswert.

Lagune – Nnedi Okorafor, Funtastik-Faktor 88

Die US-Autorin mit nigerianischen Wurzeln Nnedi Okorafor war für mich die literarische Entdeckung des Jahres 2018. Aus mehreren Gründen. Zum einen spielen die Zukunftsgeschichten der Autorin in Afrika und binden afrikanische Mythologie in die Handlung ein. Was an sich schon ungewöhnlich ist. Doch auch der Erzählstil von Nnedi Okorafor ist einzigartig. Wie die Autorin die Kern- mit einer Rahmenhandlung verbindet und wie sie Erzähler einsetzt, ist speziell und absolut faszinierend. Eine derart innovative Art und Weise des Erzählens habe ich selten bei anderen Autoren oder Autorinnen erlebt.

Lagune - Nnedi Okorafor © Cross Cult
Lagune © Cross Cult

Es ist eine Geschichte über Lagos, die das wunderbare und lebendige dieser Metropole beschreibt, aber auch viele der realen Probleme spiegelt. Tiere erzählen sie, nicht nur der Schwertfisch, auch eine Fledermaus und eine Spinne. Einmalige phantastische Wesen berichten, wie der Knochensammler, eine Schlange aus heißem Teer. Wir werfen einen Blick auf die afrikanische Welt der Götter und Geister. Uns begegnen Außerirdische, die sich wandeln, sich anpassen und heilen. Vor allem aber lesen wir über Menschen.

Altered Carbon – Richard Morgan, Funtastik-Faktor 88

Cyberpunk ist eine fast vergessene Literatursparte, die durch zwei  Filmhighlights des Jahres 2018 eine kleine Renaissance erlebte: 1. Die Neuverfimung des Cyberpunk-Klassikers „Blade Runner“, 2. die Netflix-Serie „Altered Carbon“.  Letztere basiert auf dem Roman „Das Unsterblichkeitsprogramm“ von Richard Morgan, der bereits 2002 erschien. Passend zur TV-Serie erschien die Neuauflage des Romans mit dem Titel „Altered Carbon“.  Buch und Serie beweisen eindrucksvoll, wie Cyberpunk zu faszinieren versteht: durch düstere und schrille Settings und  futuristische Ideen im Grenzbereich unserer Moralvorstellungen.

Altered Carbon - Das Unsterblichkeitsprogramm von Richard Morgan © Heyne
Altered Carbon – Das Unsterblichkeitsprogramm © Heyne

Der Cyberpunk hält unserer Gesellschaft ein schillerndes und düsteres, zukünftiges Spiegelbild vor, von diesem Gegensatz lebt das Genre. Der schillernde Teil ist in „Altered Carbon“ die Vision, dass das Leben nicht mit dem natürlichen Tod enden muss. Die Vorstellung, wie die Meth über 300 Jahre zu leben, ohne zu altern, hat etwas Faszinierendes. Welchen Erfahrungsschatz erwirbt ein Mensch über so viele Jahre? Wie viele gesellschaftliche Umbrüche, welche technologischen Entwicklungen erlebt er mit? Wie viele Folgegenerationen sieht er heranwachsen? Zu welch einem Menschen, vielleicht Übermenschen, entwickelt er sich?

Feuertaufe – Sonja Rüther, Funtastik-Faktor 85

Alternativweltszenarien finde ich grundsätzlich interessant, besonders wenn sie glaubwürdig beschrieben werden und erhellende Visionen vermitteln. All das bietet „Feuertaufe“ von Sonja Rüther und Konrad Hollenstein zur Genüge. Dazu kommt ein Krimi/Horror-Plot, der es in sich hat. Eine gruselige Mordserie hält ein Team von „Geistkriegern“ in Atem. Und mit ihnen den Leser. Absolut zu Recht hat „Feuertaufe“ mehrere Monate auf der Phantastik-Bestenliste gestanden, denn die Geschichte ist außergewöhnlich und von der ersten bis zur letzten Seite spannend.

Im Rahmen der „All Hallows read“-Blogtour durfte ich gemeinsam mit Sonja Rüther einen Werkstattbericht schreiben. Der Artikel hat mir richtig viel Spaß gemacht, denn die Entstehungsgeschichte des Romans ist fast ebenso spannend, wie das Buch selbst.

Feuertaufe - Sonja Rüther, Konrad Hollenstein © Edition Roter Drache
Feuertaufe © Edition Roter Drache

Rassismus ist ein Thema, das zwischen den Zeilen der Geschichte durchschimmert, Angst ist auch hier der Bodensatz aus dem er erwächst. Die Powtankaner lassen Menschen aus anderen Ländern Ablehnung spüren und stets wissen, dass sie sich anzupassen haben. Eine Lehre der Geschehnisse in „Feuertaufe“ für Powtanka ist, dass Vertreter andere Kulturen helfen, das Volk der Powtankaner gegen Gefahren zu schützen. Selbst der große Geist Wakan Tanka bedient sich ihrer, was ein weiterer interessanter Aspekt dieser Geschichte ist.

Zerrissene Erde – N.K Jemisin, Funtastik-Faktor 88

Zerissene Erde“ von N.K. Jemisin  beschreitet sowohl sprachlich als auch inhaltlich Wege abseits des üblichen. Die multiperspektivische Erzählweise, eine aus der „Du“ Perspektive, birgt die Gefahr, dass die Geschichte unharmonisch wirkt. Insbesondere dann, wenn wie hier die Handlungsstränge nebeneinander laufen und sich erst zum Schluss vereinen. N.K. Jemisins Sprachstil gleicht dieses vermeintliche Ungleichgewicht jedoch wieder aus. Mit klaren und prägnanten Worten beschreibt die Autorin eine selbst für Phantastik-Kenner eigenwillige Welt, eine ausgefallene Handlung und skurrile Protagonisten.

Zerissene Erde N.K. Jemisin © Droemer Knaur
Zerissene Erde © Droemer Knaur

Vergleiche zu großen AutorInnen sollte jeder Rezensent sparsam und sorgsam überlegt verwenden. Doch mit N.K. Jemisin und „Zerrissene Erde“ habe ich tatsächlich eine Autorin und einen Roman gefunden, der auf den Pfaden von Ursula K. Le Guins Werk wandelt. Sowohl der facettenreiche Sprachstil, als auch die überlegenen und dennoch scheiternden Helden, sowie die tiefsinnige Botschaft hinter der Geschichte erinnern mich sehr an die im Januar 2018 verstorbene, großartige Phantastik-Schriftstellerin. Jemisins Apokalypse ist mehr, als düstere Endzeit-Fantasy. Es ist eine Parabel über die Arroganz des Menschen. Menschen die glauben, dass durch Fortschritt verursachte Probleme durch weiteren Fortschritt zu beheben sind.

Und welche Bücher waren Eure Neuentdeckungen und Favoriten im Jahr 2019? Wenn ihr Lust habt, erzählt sie mir im Kommentarfeld.

3 Gedanken zu „Die fünf besten in 2018 gelesenen Bücher

  1. Hallo,

    den Afrofuturismus lerne ich auch gerade sehr schätzen – ich lese zur Zeit „Binti“ von Nnedi Okorafor, bin begeistert und kann die schlechten Kritiken auf Amazon gar nicht nachvollziehen… Definitiv eine Autorin, von der ich noch mehr lesen möchte!

    Ach, Ostan Ard ist schon sooo lange her… Ich würde die Bücher lieber erst nochmal lesen, bevor ich mich an die neue Saga wage.

    „Altered Carbon“ spricht mich sehr an, und auch „Feuertaufe“ könnte etwas für mich sein!

    Bei „Zerissene Erde“ war ich erst etwas skeptisch, mit der Du-Perspektive tue ich mich manchmal schwer – aber dann hast du Ursula K. Le Guin erwähnt. Von der habe ich etwa zu meiner Osten-Ard-Zeit die „Erdsee“-Bücher gelesen, später mit Begeisterung „Die linke Hand der Dunkelheit“.

    LG,
    Mikka
    [ Mikka liest von A bis Z ]

    1. Liebe Mikka,
      ich habe mich mit der Du Perspektive und auch mit der Protagonistin selbst am Anfang auch schwer getan. Aber nach einer Weile erkennt man, dass darin gerade der Reiz dieses Romans liegt: er ist gegen den Strich gebürstet und entfaltet seine spröde Schönheit nach und nach.
      In „Osten Ard“ war ich überraschenderweise schnell wieder drin. Ok, ich habe ein bisschen in „Die Nornenkriegerin“ gelesen, um wieder auf dem Laufenden zu sein. Aber wirklich nicht viel. Tad Williams erzählt die Geschichte sehr geschickt weiter und zugleich eine neue. Viel Wissen aus den ersten Bänden bedarf es da nicht und einiges wird auch erneut erklärt. Es hat für mich gut funktioniert. Viele Grüße, Eva

  2. Die Hexenholzkrone und Zerrissene Erde gehören auch bei mir zu den Jahresbesten. Auch das Schwert des Schicksals hat mir sehr gut gefallen. Ansonsten habe ich in 2018 sehr viele bücher gelesen, die nicht der Phantasie zugeordnet werden können.

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